Michael Land bei der Buchpräsentation.

Foto: Reuters/Alicia Powell

Vor 50 Jahren – exactement von 15. bis 17. August 1969 – fand in Bethel bei New York die Mutter aller Pop & Rock-Musik-Festivals statt: Woodstock veränderte alles. Dass das seinerzeit lautstark propagierte Motto "Love, Peace & Happiness" trotz des fortgeschrittenen Alters keineswegs in die Jahre – und schon gar nicht aus der Mode – gekommen ist, beweisen diverse aktuelle Rückblicke. Das hat nicht nur, aber doch im Wesentlichen mit der sozioökonomischen und gesellschaftlichen Komponente und deren immergrüner Relevanz zu tun.

Um zu grooven und zu sehen, was möglich ist

Den perfekten Einblick in die Geschehnisse des Summer of '69 bietet Michael Lang, der Hauptinitiator des legendären Festivals. "In Woodstock fokussierten wir unsere Energie auf den Frieden, beiseitelassend die fortlaufende Diskussion politischer Auflagen – nur um zu grooven und zu sehen, was möglich ist", so Lang, der dieser Tage die bittere Niederlage eingestand, das für das 50-JahrJubiläum geplante Revival absagen zu müssen. "Es war eine Chance, zu sehen, ob und wie wir die Art von Welt, für die wir in den Sixties kämpften, kreieren konnten; das war unser politisches Statement – prüfend, dass Frieden und Verständnis möglich sind und ein Vermächtnis des interkulturellen Zusammenlebens zu schaffen ist." Lang nennt "sein" Woodstock drei Tage von Frieden und Musik. Das alles und noch viel mehr illustriert sein opulenter Bildband. Vor allem den Spirit von damals atmen die Seiten der großformatigen Publikation – egal ob sie Stars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Joan Baez, Joe Cocker, Santana, Crosby, Stills, Nash & Young oder die eigentlichen, stillen Helden – das Hippie-Publikum – oder nur den Regen, den Himmel, die Nackten und die Tanzenden oder Joint-Rauchschwaden zeigen.

Proteste der Bürgerrechtsbewegung und Anti-Vietnam-Krieg-Aktivisten

Wer sich an die 80er erinnern kann, war nicht dabei, heißt es. Ähnliches könnte man über Woodstock sagen. Dem kollektiven Gedächtnis auf die Sprünge hilft auch Julien Bitouns Chronologie der Ereignisse. Minutiös beleuchtet sein Buch den Pfad von Woodstock; beginnend beim Vorläufer in Monterey, bei den Protesten der Bürgerrechtsbewegung und Anti-Vietnam-Krieg-Aktivisten, auflistend alle Auftritte mit kompletten Setlists, endend beim Coachella-Festival von 2017. Keep hope alive!

(Gregor Auenhammer, 13.8.2019)