Wie ist der Fall Epstein ins Rollen gekommen?

Bereits 2008 wurde Jeffrey Epstein zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er hatte sich vor einem Gericht in Florida schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben. Im Gegensatz zu anderen Sexualstraftätern verbrachte Epstein seine Haftzeit nicht in einem bundesstaatlichen Gefängnis, sondern in einem privaten Teil des Palm Beach County Stockade.

Nach fast 13 Monaten wurde er in einen einjährigen Hausarrest entlassen. Währenddessen erlaubten ihm die Behörden mehrere Trips in seiner Privatmaschine auf seine Anwesen in Manhattan und auf den Virgin Islands.

Im vergangenen November veröffentlichte The Miami Herald eine Serie von Artikeln zu jenem mit den Behörden getroffenen Deal, der Epstein eine verkürzte Haftzeit und Hafterleichterung eingebracht hatte. Die damit verbundenen Recherchen riefen die Ermittlungsbehörden wieder auf den Plan. Jeffrey Epstein wurde am 6. Juli an einem Flughafen in New Jersey verhaftet.

Im Metropolitan Correctional Center war Epstein zuletzt hinter Gitter.
Foto: REUTERS/Jeenah Moon

Was wurde Jeffrey Epstein vorgeworfen?

Der US-Milliardär soll minderjährige Mädchen missbraucht und mit ihnen gehandelt haben. Die vorgeworfenen Verbrechen sollen in den Jahren von 2002 und 2005 geschehen sein. Die Ermittler hatten bei der Durchsuchung seines Wohnsitzes Hinweise auf Menschenhandel und unzählige Nacktfotos von scheinbar Minderjährigen gefunden. In seinem Safe fanden sich außerdem eine große Summe an Bargeld, Diamanten und ein ausländischer Pass unter falschem Namen – manche Medien berichten von einem gefälschten österreichischen Dokument. Aufgrund dessen wurde keine Kaution für Epstein festgesetzt. Zu groß war die Fluchtgefahr.

Welche berühmten Namen tauchten während des Prozess es auf?

Jeffrey Epstein war gut vernetzt. Virginia Giuffre, die angab, eines der Opfer Epsteins gewesen zu sein, erzählte davon, dass sie der Milliardär zu Sex mit anderen Männern gezwungen habe. Unter anderem erwähnte sie den Namen des britischen Prinzen Andrew – eine Anschuldigung, die der Buckingham-Palast scharf zurückwies.

Epstein pflegte auch enge Kontakte zu Donald Trump, bevor dieser Präsident wurde, und Ex-Präsidenten Bill Clinton. Gegen die beiden liegen aber keine Anschuldigungen vor.

Hingegen erhebt Giuffre aber auch Vorwürfe gegen US-Senator George Mitchell, der unter anderem als einer der Architekten des nordirischen Friedens gilt und unter Barack Obama ein Sondergesandter für den Mittleren Osten war. Auch er streitet alle Anschuldigungen ab.

Der Milliardär pflegte auch gute Kontakte zu Donald Trump. An der Seite Epsteins: Gislaine Maxwell, die ihm Frauen beschafft haben soll.
Foto: Davidoff Studios Photography / Getty

Es war bekannt, dass Epstein suizidgefährdet war. Wie konnte es passieren, dass er tot in seiner Zelle gefunden wurde?

Das ist Gegenstand aktueller Ermittlungen. Staatsanwalt William P. Barr kündigte Untersuchungen des FBI und des Generalinspekteurs des Justizministeriums an. Denn bereits Ende Juli hatte Epstein versucht, sich selbst zu töten. Daraufhin stand er eine Woche lang unter "Suizidaufsicht".

Doch auch als diese beendet war, hätte jede halbe Stunde ein Wärter in die Zelle des Häftlings blicken sollen. Doch Epstein war stundenlang ohne Kontrolle allein in seiner Zelle. Einem Bericht der "New York Times" zufolge haben beide Wärter während der Arbeit geschlafen und deshalb Epsteins Zustand für rund drei Stunden nicht kontrolliert. Die Wärter stünden außerdem unter Verdacht, ihren Arbeitsbericht gefälscht zu haben, um ihr Versäumnis zu verschleiern. Wie am Montag bekannt wurde, war auch nur einer der beiden Wärter in der speziellen Unterbringung ausreichend ausgebildet. Die andere Person war nur eine Vertretung. Wie das US-Ministerium am Dienstag bekannt gab, wurden die beiden Justizwachebeamten vorerst suspendiert. Zusätzlich erhielt das Gefängnis temporär einen neuen Leiter, bis die Untersuchungen durch das FBI abgeschlossen sind.

Welche Verschwörungstheorie ist inzwischen im Umlauf?

Bereits kurz nach Bekanntwerden des Todes kursierten in den sozialen Medien Verschwörungstheorien. Eine, die von einem selbsternannten Komiker verbreitet und von Präsident Donald Trump geteilt wurde, rückt Bill Clinton in die Nähe von Epsteins möglichen Verbrechen. Diese Verbindung habe nicht öffentlich werden dürfen, und deshalb habe Epstein sterben müssen, so die Theorie. Doch keine der Frauen, die gegen den US-Milliardär aussagten, sprach von Kontakten zu dem Ex-Präsidenten. Und auch sonst gibt es keine Hinweise, dass Clinton etwas mit den möglichen Verbrechen oder gar mit dem Tod Epsteins zu tun hat.

Wie wird in Österreichs Haftanstalten mit suizidgefährdeten Häftlingen umgegangen?

Bereits bei der Aufnahme eines neuen Häftlings – sei es aus einer anderen Justizvollzugsanstalt oder freien Fußes – führen zwei geschulte Wachbeamte ein Gespräch mit dem Betroffenen, wie Klaudia Osztovics von der Justizanstalt-Simmering erzählt. Wird dabei klar, dass der Häftling gefährdet ist, schalten die Beamte den psychologischen Dienst ein.

Bereits seit mehreren Jahren existiert zudem ein sogenanntes "Listener-Programm". Dabei werden Neuzugänge mit ausgebildeten und ausgewählten Häftlingen in einer Zelle untergebracht. Diese sollen den Betroffenen bei der Eingewöhnung helfen und etwaige Probleme erkennen.

Kam es bereits zu einem Suizidversuch, gibt es in den österreichischen Justizanstalten spezielle Zellen mit Videoüberwachung, in denen der Häftling Tag und Nacht beobachtet wird. Wachebeamte kontrollieren außerdem regelmäßig den Zustand der Betroffenen und suchen ein Gespräch, wie Osztovics sagt.

Wie geht es nun nach dem Tod Epsteins mit dessen Anklage weiter?

Mit dem Tod eines Angeklagten endet auch der Prozess. Doch Staatsanwalt William P. Barr hat bereits in einem Statement vor der Presse angekündigt, dass sich "etwaige Mitverschwörer nicht entspannt ausruhen sollen". Laut ihm "verdienen die Opfer Gerechtigkeit, und diese werden sie auch erhalten". Das FBI soll laut Medienberichten indessen Epsteins Haus auf dessen Privatinsel in der Karibik nach weiteren Hinweisen durchsucht haben.

Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Epstein wurde auch immer wieder der Name Gislaine Maxwell genannt.

Die britische Staatsbürgerin soll laut der Opfer die Mädchen an Epstein vermittelt haben. Virginia Giuffre beschuldigte Maxwell erst vor kurzem, sie im Alter von 15 Jahren als Epsteins Masseuse angeworben zu haben. Damals war die Jugendliche noch eine Bedienstete in Donald Trumps Mar-a-Lago-Club in Südflorida. Als Maxwell die junge Frau öffentlich der Lüge bezichtigte, klagte Giuffre sie wegen übler Nachrede. Der Fall wurde ad acta gelegt, bevor es zu einem Prozess kommen konnte. (Bianca Blei, 14.8.2019)