Harare – Einsatzkräfte in Simbabwe haben am Freitag Tränengas und Wasserwerfer gegen regierungskritische Demonstranten eingesetzt. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, die sich auf Angaben von Augenzeugen beruft, sollen mehr als 100 Oppositionelle bei den Protesten im Zentrum von Harare mit Schlagstöcken zusammengeschlagen worden sein.

Im Zentrum von Harare kam es am Freitag zu gewalttätigen Ausschreitungen, die Polizei setzte auch Tränengas ein.
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Die Menschen hätten "nur gesungen", fröhlich und friedlich, sagte eine Demonstrantin der Nachrichtenagentur AFP. "Sie haben die Anhänger eingekreist, kamen dann näher auf uns zu und fingen an, Menschen zu schlagen", erzählte sie weiter.

Die Polizei hatte die Demonstration der Oppositionspartei MDC am Donnerstagabend mit der Begründung verboten, sie könnte gewalttätig werden. Sie warnte, dass die Teilnahme am Protest ein Verbrechen darstellen würde. Das oberste Gericht bestätigte das Verbot am Freitag. Freitagabend wurde bekannt, dass die MDC Proteste absagt, um "Blut in den Straßen" zu vermeiden.

Die Polizei hatte die Demonstration am Donnerstagabend verboten.
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Simbabwes größte Oppositionspartei wirft der Regierung Korruption und Misswirtschaft vor. Sie fordert Präsident Emmerson Mnangagwa dazu auf, die Führung des Landes angesichts der gegenwärtigen schweren Wirtschaftskrise an eine Übergangsregierung zu übergeben. In den vergangenen Monaten waren immer wieder Menschen gegen die Regierung und ihre Wirtschaftspolitik auf die Straße gegangen. Simbabwe befindet sich in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit einer Phase der Hyperinflation vor zehn Jahren.

Präsident Emmerson Mnangagwa, der im November 2017 die Nachfolge von Robert Mugabe antrat, steht unter anderem wegen seiner Wirtschaftspolitik in der Kritik.
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Wegen der schweren Nahrungsmittelkrise hatte zuletzt die Uno Alarm geschlagen. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) erklärte vergangene Woche, rund fünf Millionen Menschen in Simbabwe und damit fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung seien als Folge einer langanhaltenden Dürre und hoher Lebensmittelpreise dringend auf Hilfe angewiesen.

Rund 2,5 Millionen der Betroffenen befänden sich bereits am Rande der Hungersnot, im "Krisen- und Notzustand", erklärte das WFP. Dessen Geschäftsführer David Beasley appellierte an die internationale Gemeinschaft, umgerechnet knapp 300 Millionen Euro als Nothilfe aufzubringen. Neben der Bekämpfung der Nahrungsmittelknappheit soll das Geld auch dafür verwendet werden, den Opfern des Zyklons Idai zu helfen, der Simbabwe im März heimgesucht hatte. (red, Reuters, APA, 16.8.2019)