Sibirien im Jahr 2019: Die Arktis brennt.
Foto: AP/Maria Khlystunova, Press Service of the Ministry of Forestry of the Krasnoyarsk Territory

Swansea – In den vergangenen Wochen sorgten ausgedehnte Waldbrände in einer Region für Schlagzeilen, die man zumeist nicht mit Flächenbränden assoziiert: nämlich in der Arktis, in Sibirien ebenso wie in Alaska. Auch wenn Feuer im hohen Norden im Sommer immer wieder vorkämen, sei deren Zahl zuletzt um ein Vielfaches höher gewesen als in den Vorjahren, teilte der von der EU finanzierte Copernicus Atmosphere Monitoring Service mit.

Unter anderem wird dafür der Klimawandel verantwortlich gemacht. Und daraus kann sogar ein sich selbst verstärkender Kreislauf werden: Durch die Brände entsteht Kohlendioxid, das seinerseits die Klimaerwärmung weiter vorantreibt. Pro Jahr brennt laut einer aktuellen Studie zufolge auf der Welt eine Fläche von der Größe Indiens nieder. Diese Feuer stoßen demnach mehr CO2 aus als Auto-, Bahn-, Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

Neue Studie

Nun hat eine Forschergruppe um Matthew Jones von der Swansea University in Wales zu berechnen versucht, wie stark Flächenbrände wirklich als Klimafaktor zu Buche schlagen. Ihrer Kalkulation nach ist die Bilanz nicht so verheerend wie befürchtet: Mehr als zehn Prozent des bei solchen Feuern freigesetzten Kohlenstoffs würde demnach nicht als CO2 in die Atmosphäre entweichen, sondern langfristig als Holzkohle im Boden gebunden. Das Problem dabei ist allerdings der Zeithorizont: Dieser Effekt, der der Atmosphäre letztlich sogar Kohlenstoff entziehen kann, greift nämlich erst langfristig, hilft uns aktuell also nicht.

Die Forscher zogen für ihre in "Nature Geoscience" veröffentlichte Studie globale Daten aus dem Zeitraum von 1997 bis 2016 heran. Demnach blieben zwölf Prozent des damals weltweit durch Brände freigesetzten Kohlenstoffs etwa in Holzkohle gebunden. Dieser Kohlenstoff bleibe für Hunderte bis Tausende Jahre in Böden oder Gewässersedimenten gespeichert.

Frage des Zeithorizonts

Der weitaus größere Anteil des Kohlenstoffs wurde aber in die Atmosphäre freigesetzt. Der wird er erst wieder entzogen, wenn auf den niedergebrannten Böden die Vegetation nachwächst und Photosynthese betreibt. Im Lauf der Zeit nimmt sie wieder so viel Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf, wie vorher in Form von Pflanzenmasse gebunden war – zusätzlich zu dem Teil, der als Holzkohle im Boden gebunden bleibt. Das Ergebnis wäre eine Abkühlung oder zumindest ein Bremsen der Erwärmung.

Dafür muss aber erst einmal die gesamte Vegetation nachgewachsen sein. Und je nach Vegetationsform dauert das unterschiedlich lang: Graslandschaften etwa benötigten weniger als ein Jahr, manche Wälder dagegen Jahrzehnte. In extremen Fällen, etwa in tropischen Moorlandschaften oder in der Arktis, sei eine vollständige Erholung mitunter erst nach Jahrhunderten zu erwarten, so die Forscher. (red, APA, 18. 8. 2019)