Mehr als 60 Menschen wurden bei einer Explosion auf einer Hochzeit in Kabul getötet. Es war der 17. größere Angriff in der afghanischen Hauptstadt seit Jänner.

Foto: Reuters/MOHAMMAD ISMAIL

Die Verletzten werden im Krankenhaus versorgt.

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Kabul – Eine verheerende Explosion in einer Hochzeitshalle in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat mindestens 63 Todesopfer gefordert. Laut dem afghanischen Innenministerium wurden bei der Detonation am Samstagabend weitere 182 Menschen verletzt. Es handelte sich offenbar um einen Selbstmordanschlag. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat sich mittlerweile zum Anschlag bekannt. Die Mitteilung ließ sich zunächst nicht unabhängig verifizieren, sie wurde aber über die üblichen Kanäle verbreitet, über die die Terrormiliz auch bisher Anschläge für sich reklamierte. Der sunnitische IS hat in der Vergangenheit in Afghanistan immer wieder Schiiten angegriffen, die sie als Ungläubige betrachten.

Der Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, schrieb am Sonntag auf Twitter, die Explosion habe sich kurz vor 23.00 Uhr in der Hochzeitshalle "Dubai" im Südwesten der Stadt ereignet, und zwar in der Nähe des Bräutigams.

Sondersitzung der Sicherheitsbehörden

Bei Hochzeiten in Kabul feiern Männer und Frauen in getrennten Räumen. Zumeist sind Hunderte Gäste geladen. Üblicherweise wird nach 22 Uhr das Abendessen serviert. Hochzeitshallen werden in Afghanistan beliebter, seit die Wirtschaft im Aufschwung ist und Familien wieder mehr für die Feiern ausgeben.

Präsident Ghani drückte den Familien der Getöteten sein tiefstes Mitgefühl aus. Er berief eine Sondersitzung der Sicherheitsbehörden ein und sagte erst eine für Sonntag in Kabul geplante Wahlkampfveranstaltung ab. Ende September soll die Präsidentschaftswahl stattfinden.

Regelmäßige Anschläge

Erst vor rund zehn Tagen wurden bei einem Autobombenangriff in Kabul offiziellen Angaben zufolge mindestens 14 Menschen getötet.

Der Anschlag auf die Hochzeitshalle war der größte Angriff in der Hauptstadt Kabul seit Jahresbeginn. Bei den vorherigen 16 großen Anschlägen wurden laut Behördenangaben mindestens 113 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt. Allerdings sind Regierungsbeamte dafür bekannt, Opferzahlen für die Öffentlichkeit gering zu halten. Zu den Angriffen hatten sich teils die Taliban, teils die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt.

Erst vergangenen November wurden bei einer Explosion in einer Hochzeitshalle in Kabul 40 Menschen getötet. (APA, Reuters, red, 18.8.2019)