Der Tanker war am 4. Juli vor der Küste Gibraltars von der britischen Marine gestoppt worden. Grund war der Verdacht, dass es unter Verstoß gegen EU-Sanktionen Öl nach Syrien schmuggeln sollte. Der Iran bestreitet den Vorwurf.

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Teheran – Der mehr als sechs Wochen lang vor Gibraltar festgesetzte Supertanker Adrian Darya-1 hat am Montag die Enklave verlassen und fährt unter iranischer Flagge in Richtung Griechenland. Dem Schiffsverkehrsportal marinetraffic.com zufolge soll das Schiff demnächst im griechischen Hafen Kalamata ankommen.

Der mit iranischem Öl beladene Tanker "Adrian Darya-1" hat noch keine offizielle Anfrage gestellt, um in der griechischen Hafenstadt anlegen zu dürfen. Das sagte der griechische Schifffahrtsminister Ioannis Plakiotakis am Dienstagmorgen dem griechischen Fernsehsender Skai. Die Behörden verfolgten den Kurs des Schiffes genau und das Schifffahrtsministerium sei im ständigen Kontakt mit dem Außenministerium, sagte Plakiotakis.

Der Kurs des Schiffes zieht Griechenland in den Konflikt um den Tanker hinein

Ein Vertreter des US-Außenministeriums teilte mit, dass man der Regierung in Athen eine "deutliche Position" vermittelt habe, den Tanker nicht zu unterstützen. Die USA sehen Verbindungen zwischen dem Tanker und den iranischen Revolutionsgarden, die von der Regierung in Washington als Terrororganisation eingestuft werden. Aus amerikanischer Sicht gilt somit jegliche Hilfe für das Schiff als materielle Unterstützung für Terroristen.

Der US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte zudem am Montag die Freigabe des iranischen Öltankers, der vor Gibraltar festgesetzt war. Der Schritt sei "unglücklich" gewesen, sagte Pompeo am Montag dem Sender Fox News. Sollte der Iran aus der Ladung Profit schlagen, hätten die Revolutionsgarden "mehr Geld, mehr Vermögen und mehr Ressourcen, um ihre Terroraktionen fortzusetzen".

Der mittlerweile unter iranischer Flagge fahrender Öltanker Adrian Darya-1 (früher Grace 1) hat in der Nacht auf Montag in Gibraltar abgelegt.
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Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker, damals noch mit dem Namen Grace 1, Anfang Juli vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen an Syrien festgesetzt. Damit würde das Schiff gegen EU-Sanktionen gegen das Bürgerkriegsland verstoßen, lautete der Vorwurf.

Vergangene Woche hat die Regierung der britischen Exklave Gibraltar die wochenlange Festsetzung des Tankers aufgehoben. Ihrer Auskunft zufolge sicherte der Iran zuvor zu, dass der Tanker das Öl nicht in Syrien entladen werde. Teheran bestand dagegen darauf, das Öl sei niemals für Syrien bestimmt gewesen.

Daraufhin kam es zu einem Gesuch der USA, das Schiff und seine Ladung zu beschlagnahmen. Gibraltar lehnte das jedoch mit der Begründung ab, an EU-Recht gebunden zu sein. Der iranische Außenminister Mohammed Javad Zarif sagte am Montag, dass die wochenlange Beschlagnahme des Schiffs politisch motiviert gewesen sei. "Wir sind froh, dass diese Tortur beendet ist."

USA wollten Tanker beschlagnahmen lassen

Das US-Justizministerium hatte die verlangte Beschlagnahmung mit mutmaßlichen Verstößen gegen US-Sanktionen, Geldwäschegesetze und Terrorismusstatuten begründet. Das Gericht verfügte auch die Beschlagnahmung des Öls an Bord des Tankers und von knapp einer Million Dollar Bankvermögen einer Briefkastenfirma, die Verbindungen zu dem Schiff haben soll. Die Staatsanwaltschaft erklärte, das Schiff sei Teil eines Plans der iranischen Revolutionsgarden zur Unterstützung illegaler Lieferungen des Iran an Syrien.

Der Kapitän und weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, kamen aber wieder auf freien Fuß. Teheran drohte mit Vergeltung und bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein.

Konflikt wird auf internationalen Schifffahrtswegen ausgetragen

Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen dem Iran und allen voran den USA. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte die Revolutionsgarden im April als ausländische Terrororganisation eingestuft. Die USA haben zudem harte Sanktionen gegen das Land verhängt, die vor allem auf den Ölsektor des Landes abzielen.

Nur zwei Wochen nach dem Festsetzen des Supertankers stoppten die iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus den britischen Öltanker Stena Impero. Zur Begründung hieß es, das Schiff habe internationale Regeln der Seefahrt nicht eingehalten, sein GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien an Bord. Einen vom Iran vorgeschlagenen Austausch der beiden Tanker lehnte die neue britische Regierung ab.

Gerichtsverfahren zum Tanker im Iran begonnen

In den Fall des seit mehr als einem Monat im Iran beschlagnahmten britischen Öltankers kommt indes auch Bewegung. Das angekündigte Gerichtsverfahren, das die angeblichen Verstöße des Tankers im Persischen Golf untersuchen soll, hat in der südiranischen Hafenstadt Bandar Abbas begonnen. Das sagte Vizetransportminister Mohammad Rastad am Dienstag.

"Das Gericht in Bandar Abbas überprüft derzeit den Fall und wird über die Zukunft des Tankers entscheiden", erklärte Rastad. Das Schicksal des britischen Öltankers "Stena Impero" habe jedoch nichts mit der Freigabe des iranischen Supertankers in Gibraltar zu tun, sagte Rastad. Die "Adrian Darya-1" sei illegal festgesetzt worden, der britische Tanker habe jedoch gegen die maritimen Vorschriften im Persischen Golf verstoßen, so der Vizeminister laut Nachrichtenagentur Tasnim.

Beobachter in Teheran glauben jedoch, dass es letztendlich zu dem von Präsident Hassan Rouhani schon am Anfang der Krise vorgeschlagenen Austausch kommen werde: "Adrian Darya-1" für "Stena Impero". Nur werde Teheran voraussichtlich solange warten, bis das eigene Schiff auch wieder sicher im Land sei, meinen Beobachter.

Atomstreit

Nach der Freigabe des Schiffs beanspruchten sowohl Gibraltar als auch der Iran, als Sieger aus dem Kräftemessen hervorgegangen zu sein. Teheran habe einen "diplomatischen Sieg" errungen, sagte Mahmud Waesi, der Stabschef des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo dagegen sprach von "der erfolgreichsten Umsetzung europäischer Sanktionen bislang".

Hinter den Spannungen zwischen dem Iran und den USA steht der Atomstreit beider Länder. Die Amerikaner werfen der iranischen Führung vor, Atomwaffen bauen zu wollen. Teheran weist das zurück.

Die USA waren 2018 im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen, das Teheran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich die politische und wirtschaftliche Isolation des Landes beenden sollte. Seit dem Ausstieg aus dem Abkommen setzen die Amerikaner Teheran mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck. (APA, dpa, 19.8.2019)