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Die Kryptowährung Bitcoin verhilft nicht nur dem Schwarz- und Drogenmarkt zur Verwirklichung krimineller Geschäfte, auch Terroristenfinanzierung scheint immer stärker vom digitalen Geld zu profitieren. Gruppen wie die palästinensische Militärorganisation Hamas, die aus dem traditionellen Finanzierungssystem geschlossen wurden, startet nun mit immer ausgeklügeltere Bitcoin-Spendenkampagnen.

Anonyme Finanzierung

Beobachter für Terrorfinanzierung warnen vor Kryptowährung, und wie sie für die verdeckte Unterstützung Terroristengruppen verwendet wird, berichtet New York Times. Besonders die Unabhängigkeit von Institutionen wie Banken, die Konten sperren lassen und Informationen an die Exekutive weiter geben können, mache Bitcoin interessant für kriminelle Organisationen.

Während Bitcoin bereits länger für den Handel mit Drogen oder zur Geldwäsche verwendet wird, haben Terrororganisationen etwas länger gebraucht, um die passende Strategie für die Finanzierung durch Bitcoin zu entwickeln. Das läge vor allem an der technischen Komplexität der Kryptowährung, meinen Experten.

Schwer verfolgbar

Anfängliche Versuche der Terrorgruppe Hamas, unentdeckt Bitcoin-Spenden zu erhalten, waren wenig erfolgreich, berichtet Forbes. Bereits im Jänner diesen Jahres riefen die Qassam Brigarden, der Militärflügel der Hamas, zur Unterstützung durch Bitcoin auf, verwendeten jedoch nur eine Bitcoinadresse, die es für die Strafverfolgung einfach machte, die Geldgeber zurückzuverfolgen.

Auch wurden teilweise digitale Brieftaschen der Gruppe bei dem US-amerikanischen Bitcoinverwalter Coinbase angelegt, der ebenfalls Informationen über Unterstützer und Nutzer an die Exekutive weitergeben konnte.

Nun finden Terrororganisationen immer sichere Wege, um die verhüllte digitale Finanzierung zu ermöglichen. In einem Video der Gruppe wird der technische Prozess genau erklärt. Um unentdeckt zu bleiben, verwendet die Terrororganisation nun Bitcoin-Geldbörsen die vollkommen unter ihrer Kontrolle stehen. Auf der Webseite der Qassam Brigaden wird auch für jeden Spender eine eigene Bitcoinadresse erstellt, an die das Geld gesendet werden kann, was es beinahe unmöglich macht, die Transaktion zurückzuverfolgen.

Neuer Finanzierungsweg

Die Terrorgruppe Hamas, die das palästinensische Küstengebiet von Gaza kontrolliert, konnte zuvor mit Hunderten von Millionen Dollar Spenden ausländischer Regierungen, wie Katar überlebt. Auch der Islamische Staat in Syrien lebte von Steuern und Gebühren, die er in den von ihm kontrollierten Gebieten einnahm.

Beide Organisationen mussten jedoch feststellen, dass ihr Zugang zu Geld erheblich eingeschränkt ist. Zusammen mit Ägypten hält Israel eine strenge Blockade des Gazastreifens aufrecht. Die Hamas wurde im letzten Jahr durch finanzielle Kürzungen der rivalisierenden, von westlichen Staaten unterstützten palästinensischen Behörden unter Druck gesetzt, der Islamische Staat hat den größten Teil seines Territoriums verloren.

Die Summen die mittels Bitcoin an die Organisationen gesendet werden, wären meist eher klein, doch für terroristische Projekte seien keine großen Geldbeträge nötig. Mit der Implementierung von Bitcoin gelingt es der Terrororganisation, ihr Finanzierungsmodell zu erweitern und Einschränkungen durch Regierungen zu umgehen. (red, 20.08.2019)