US-Präsident Donald Trump genießt den Zuspruch seiner Fans, Kritik an seiner Person kümmert ihn nur wenig.

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Was bedeutet der Zynismus? In der heutigen Umgangssprache bezeichnen Zynismus sowie das davon abgeleitete Adjektiv zynisch laut Duden "vor allem eine Haltung, Denk- und Handlungsweise, die durch beißenden Spott geprägt ist und dabei oft bewusst die Gefühle anderer Personen oder gesellschaftliche Konventionen missachtet". Auf der Skala des politischen Zynismus rangiert derzeit an der ersten Stelle US-Präsident Donald Trump. Es vergeht kein Tag ohne mehrere Artikel und Reportagen, zum Beispiel in dem einflussreichsten Blatt "New York Times", über die Folgen seiner abenteuerlichen Präsidentschaft.

Vernichtende Bilanz

Am Freitag zog die Kolumnistin Michelle Goldberg eine vernichtende Bilanz der letzten zweieinhalb Jahre: "In einer ins Chaos treibenden Welt beginnen wir, die Früchte Trumps verirrter, amoralischer und inkompetenter Außenpolitik zu sehen, die systematische Untergrabung der Bündnissysteme und die Aushöhlung Amerikas diplomatischer und sicherheitspolitischer Architektur ... Das mächtigste Land der Welt wird von einem Demenz-gefährdeten Demagogen regiert, dessen grenzenloser Ignoranz nur sein gigantisches Selbstlob entspricht."

So ist auch seine Nahostpolitik von einer zynischen Machtkalkulation geprägt. Der dreifache Pulitzer-Preisträger, Publizist und Autor Thomas L. Friedman warnte in der gleichen Ausgabe vor dem Zusammenspiel zwischen den beiden zynischen Machtpolitikern – Trump und dem um das politische Überleben wahlkämpfenden israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu: "Wenn du ein amerikanischer Jude bist und vorhast, für Donald Trump (bei den Präsidentenwahlen 2020) zu stimmen, weil du glaubst, er sei pro Israel, dann bist du ein verdammter Dummkopf!" Trump beschuldigt wegen der Israel-kritischen Bemerkungen einiger junger Kongressabgeordneter mittelöstlicher Abstammung die gesamte Demokratische Partei des Hasses auf Israel und setzt Unterstützung für Netanjahu mit der Liebe zu Israel gleich.

Es geht um jenen Ministerpräsidenten, "der die rechtsextremste Regierung in der Geschichte Israels führt, dem wegen drei Korruptionsfällen Anklage droht und dessen absolute Priorität die Wiederwahl ist, um im Parlament das ganze Justizsystem umzukrempeln und ihn vor dem Gerichtsverfahren zu retten". Sollte das Verfassungsgericht diese Pläne durchkreuzen, warnt Friedman, dann plane Netanjahu, das Verfassungsgericht dem Parlament unterzuordnen: "Israel wäre dann eine jüdische Bananenrepublik."

Spaltpilz der Innenpolitik

Die beiden Zyniker würden wegen Stimmenfangs die für Israel lebenswichtige überparteiliche amerikanische Unterstützung in einen Spaltpilz der Innenpolitik umwandeln. Trump unterstützt im vermeintlichen Interesse seiner Wähler in den von Konkurrenz gefährdeten Branchen "begeistert" die harte Brexit-Politik des ebenso zynischen und opportunistischen britischen Premiers Boris Johnson und zerstört den freien Welthandel mit seinen Drohungen vor allem gegen Deutschland und China. Er befeuert durch seinen kalkulierten Nationalismus auch solche Zyniker an der Macht wie Viktor Orbán und dessen "Helden" in Rom, den rechtsextremen, EU-feindlichen Demagogen, Innenminister Matteo Salvini, in seinem Griff nach der Spitze der Macht. (Paul Lendvai, 19.8.2019)