Aktivistin Marlena: "Es ist leicht, ein Stück Fleisch zu kaufen, wenn man nicht sieht, wer den wahren Preis dafür bezahlt."
DER STANDARD

"Noch nie habe ich mich in meinem Leben nutzloser und beschämter gefühlt. Ich zittere vor Angst und heule, als würde es um mein Leben gehen." Mit diesen Worten beschreibt die Bloggerin Sarah auf Instagram, was sie auf einem kleinen Schlachthof in Niederösterreich erlebt hat. Dort hat sie an einer sogenannten Vigil teilgenommen – einer mehrstündigen Mahnwache, bei der Aktivisten Abschied von Tieren nehmen, die kurz darauf geschlachtet werden.

Vigils werden auf der ganzen Welt abgehalten und von The Save Movement initiiert, einer internationale Bewegung, die ein Bewusstsein für das Leben und Sterben von Nutztieren schaffen will. In Niederösterreich organisiert die 21-jährige Studentin und Aktivistin Marlena von der Organisation Lower Austria Animal Save diese Vigils. Hier sind die Mahnwachen im Normalfall sehr klein, Marlena nimmt meist nur zwei oder drei vegane Aktivisten, Influencer oder Blogger mit. Sie sollen die Eindrücke und Erfahrungen während der Vigil auf ihren Social-Media-Kanälen teilen. Das Verbreiten von Fotos und Videos der Schlachttiere im Internet ist ein wesentlicher Teil der Mahnwachen. "Wir wollen die Tiere hinter den Produkten sichtbar machen", erklärt Marlena.

In der Regel beginnt die Vigil gegen 3 Uhr morgens. Die Aktivisten treffen sich eine Stunde davor, besprechen den genauen Ablauf und brechen gemeinsam zu dem Schlachthof in Niederösterreich auf. Es ist ein kleiner Betrieb, der Besitzer quasi der Fleischer von nebenan. Er schlachtet zweimal pro Woche zwischen 150 und 250 Schweine.

Gegen 3.30 Uhr kommt der erste Schweinetransporter. Die Tiere stammen von den umliegenden Bauernhöfen, sie haben eine maximale Anreisezeit von 20 Minuten. Um 5.30 Uhr beginnt die Schlachtung, davor und währenddessen werden weitere Transporter mit Schweinen geliefert. Durch eine Elektrobetäubung an den Schläfen verlieren die Tiere ihr Bewusstsein. Anschließend werden sie an den Hinterbeinen aufgehängt und durch einen Stich in den Hals getötet. "Heute liegen Teile von ihnen noch im Supermarkt, andere werden vermutlich gerade verdaut", schreibt Sarah einige Stunden später auf ihrem Instagram-Profil "MsSarahSam". "Es ist absurd, und alles, was ich machen kann, ist, ihre Story mit euch zu teilen. In der Hoffnung, dass sich irgendwas verbessert."

Eindrücke von der Aktion und viele weitere Informationen gibt es im Video. (Isabella Scholda, 22.8.2019)

Erfahrungsberichte der Bloggerinnen MsSarahSam und VeganFindsAustria: