Der Seemann aus Grönland gibt Trump einen Korb.

Foto: AP/Egill Bjarnason

Die Reaktionen auf Donald Trumps Kaufinteresse an Grönland waren amüsiert bis erbost. "Das muss ein Aprilscherz sein", polterte Dänemarks Ex-Premier Lars Rasmussen. Einer behielt aber einen kühlen Kopf: Grönlands Premierminister Kim Kielsen.

Der Chef der weitgehend von Dänemark unabhängigen Arktisinsel ließ eine lapidare Stellungnahme auf die Regierungshomepage stellen: Grönland habe eine gute Arbeitsbeziehung zu den USA. Man verstehe die Anfrage als Ausdruck eines gesteigerten Interesses an Investitionen in dem Land.

Und: "Grönland steht natürlich nicht zum Verkauf." Mehr gab's dazu von seiner Seite nicht zu sagen. Anstatt die plötzliche weltweite Aufmerksamkeit für seine Person zu nutzen, ließ er – ganz nordisch-minimalistisch – die Links visitgreenland.gl, greenlandbusiness.gl und Greenland Minerals Authority anhängen. In der Tat sucht die Insel mit 56.000 Einwohnern stets nach Wirtschaftspartnern jenseits Dänemarks.

1966 auf der Insel geboren, arbeitete Kielsen erst als Seemann, ab 1996 ließ er sich zum Polizisten ausbilden. Sein soziales Engagement für Problemjugendliche führte ihn immer mehr in die Politik. 2005 wurde er Gemeinderat in Paamiut, im selben Jahr zog der Sozialist ins grönländische Parlament ein. Es folgten Regierungstätigkeiten als Minister für Infrastruktur, Ressourcen und Wohnbau.

2013 holte ihn seine Vorgängerin, die Sozialistin Aleqa Hammond, als Umweltminister in ihr Kabinett. 2014 stolperte Hammond aber über eine Spesenaffäre, was sich als Stunde Kielsens erwies: Er wurde Premierminister. Bei den Neuwahlen verloren die Sozialisten zwar Stimmen, er konnte sein Amt aber verteidigen.

Liebäugelt mit China

Laut seiner Homepage spricht der verheiratete zweifache Familienvater nur Grönländisch und Dänisch. Englisch könnte er in den nächsten Jahren aber gut brauchen, denn die Arktis wird geopolitisch immer umkämpfter. Als Dänemark kein Geld für die Finanzierung eines neuen Flughafens auf der Insel bereitstellen wollte, flog er nach China, um dort Investoren aufzutreiben. Erst dann kam das Ja aus Kopenhagen. Allerdings vergrämte er damit seinen Koalitionspartner, die Unabhängigkeitspartei Partii Naleraq.

Nun muss er mit einer Minderheitsregierung ein fragiles innenpolitisches Gleichgewicht navigieren. Sein außenpolitisches Navigationsgeschick kann er schon im September wieder beweisen: Da hat sich Donald Trump angekündigt. (Anna Sawerthal, 20.8.2019)