Für Miloš Zeman hätte es kaum eine größere Genugtuung geben können: 2003 verweigerte das tschechische Parlament ihm die Kür zum Staatsoberhaupt; zehn Jahre und eine Wahlrechtsreform später wurde er per Volksabstimmung dann doch zum Präsidenten gewählt.

Seit er vergangenes Jahr für eine zweite und letzte Amtszeit bestätigt wurde, kann der ruppige Polterer vor Kraft kaum gehen. Doch es ist eine Kraft, die er zu einem guten Teil der Rache an seiner Ex-Partei widmet: der sozialdemokratischen ČSSD, die er einst groß gemacht hatte, deren liberaler Teil ihm 2003 aber die Gefolgschaft verweigerte.

Rachsucht lähmt tschechische Politik

Im aktuellen Streit rund um das Kulturministerium zeigt sich einmal mehr, wie diese Rachsucht die tschechische Politik lähmt. Bei aller Wertschätzung für das zweifellos wichtige Kulturressort: Wenn ein kleinlicher Konflikt um dessen Besetzung zum Dauergerangel um die Kompetenzen des Präsidenten wird, dann ist etwas faul im Staate.

Immer wieder poppt sie auf, die Konfliktverliebtheit des Präsidenten, der in der ČSSD nach wie vor Anhänger hat, Entscheidungsträger gegeneinander ausspielt und der tschechischen Politik keine Atempause gönnt. Damit schadet er nicht nur seiner Ex-Partei, sondern auch dem Klima im Land – und nicht zuletzt seinem eigenen Vermächtnis: Zeman, der 1989 die Samtene Revolution mittrug und eine authentische Stimme der Linken in der Nachwendegesellschaft war, ist zum Spaltpilz der Gesellschaft geworden. (Gerald Schubert, 20.8.2019)

Der tschechische Präsident Miloš Zeman bei einem Besuch in Wien im vergangenen April.
Foto: Reuters/Leonhard Foeger