Der Chef des Casinos-Aufsichtsrats, Walter Rothensteiner, hat dem Aufsichtsrat nun erklärt, dass es bei der jüngsten Vorstandsbestellung Konflikte gab.

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Am neunten Tag nach den Hausdurchsuchungen in der Causa Casinos-Postenbesetzung war es so weit. Aufsichtsratspräsident Walter Rothensteiner hat seine "lieben Aufsichtsratskollegen" über die jüngsten Ereignisse informiert. In einem Schreiben an die Mitglieder des Kontrollgremiums informierte er sie, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Ermittlungen eingeleitet habe, weil rund um die Bestellung Peter Sidlos zum Finanzvorstand Absprachen zugunsten von (Casinos-Miteigner) Novomatic vermutet würden. Und es habe vor allem mediale "Zurufe" an ihn gegeben, Sidlo zu suspendieren.

Rothensteiner will abwarten

Rothensteiner ist dagegen, man solle einmal die Ermittlungen abwarten. Die WKStA werfe Sidlo auch nur vor, dass er sich "als Vorstandsmitglied zur Verfügung gestellt habe, weitere – strafrechtlich relevante – Sachverhaltsbehauptungen" seien ihm nicht bekannt. Das sei nach seinem, Rothensteiners, "Rechtsempfinden und Gefühl für Fairness" zu wenig für die Suspendierung eines Vorstandsmitglieds.

Zudem erzählt Rothensteiner den Aufsichtsratsmitgliedern, dass Sidlos Bestellung "nicht ganz konfliktfrei" erfolgt sei. (DER STANDARD hat berichtet.) Es habe im Vorfeld "divergierende Meinungen" gegeben. Personalberater Egon Zehnder habe sich "teilweise kritisch, aber keineswegs 'ziemlich vernichtend' geäußert zu Sidlo.

Walter Rothensteiner hat Erklärungsbedarf.
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Zu der Frage, ob der vollständige Bericht des Beraters über die Vorstandskandidaten allen Aufsichtsratsmitgliedern gezeigt werden sollte, gab es laut Rothensteiner unterschiedliche Rechtsauffassungen und zwei gegensätzliche Gutachten. Dass der Bericht nicht vorgelegt wurde, sei mehrheitlich entschieden worden. Keine Rede jedenfalls könne davon sein, dass man in der Person von Sidlo "einen Unqualifizierten" in den Vorstand bestellt habe.

Smart und stressresistent

Ein Blick in die Unterlagen gibt mehr preis. Egon Zehnder zählte die "ausgeprägte und weniger ausgeprägte Erfahrung" Sidlos auf. Was etwa unter "ausgeprägt" angeführt ist: "smarte und kommerziell versierte Persönlichkeit, die über eine unternehmerische Grundeinstellung verfügt und bereit ist, entsprechende Verantwortung zu übernehmen." Zudem werden Sidlo bewiesene Kapitalmarktorientierung und -expertise bescheinigt, er propagiere einen verbindenden und kooperierenden Arbeitsstil und habe gezeigt, dass er zwischen Abteilungen koordinieren und Netzwerke aufbauen könne. Er habe Erfahrung in "kontroversiellen Shareholder-Konstellationen" und diesbezügliche Stressresistenz.

Erstaunliche Vorgänge bei Glücksspiel sollen immer wieder vorkommen.
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Beim weniger Ausgeprägten zählten die Personalberater etwa auf, dass der 45-Jährige noch in keiner umfassenden Finanz-/CFO-Verantwortung in einem Großunternehmen tätig gewesen sei, sich nur in eingeschränktem Umfang mit Rechnungswesen, Controlling, Treasury und IT befasst habe. Es fehle ihm an Erfahrung in größeren Führungsaufgaben, er habe Teams mit maximal sieben Mitarbeitern geführt und zumeist starke und visionäre Führungspersönlichkeiten (...) vor sich gehabt. Sein sehr selbstbewusstes und bestimmtes Auftreten eröffne die Gefahr, "'blinde Flecken' im eigenen Erfahrungsprofil nicht ausreichend zu würdigen".

Schwacher Track-Record

Zwar verfüge Sidlo über weiteres Potenzial, "mangels Track-Records in einer breiteren Führungs- und Finanzverantwortung von relevanter Größe ... würde er in den meisten Auswahlverfahren für den direkten Einstieg in eine ... CFO-Position wahrscheinlich aber keine Berücksichtigung finden", folgerten die Personalberater.

Einarbeiten im Vorstand

Als hätten sie geahnt, was kommt, gaben sie dem Aufsichtsrat eine Vorgabe mit: Sollte Sidlo wegen "übergeordneter Überlegungen" trotzdem kommen, müsse man die Organisation so stricken, dass "seine mangelnde Führungs- und CFO-Kompetenz" kompensiert werde. Das spiegelt sich in Rothensteiners Brief an den Aufsichtsrat wider: Durch den Wechsel von Finanzchefin Bettina Glatz-Kremsner an die Vorstandsspitze sei "das erforderliche Know-how betreffend den Finanzbereich im Vorstand zu jeder Zeit vorhanden", und so werde "Herrn Sidlo die Einarbeitung besser ermöglicht". Training on the Job, quasi.

Was zudem kolportiert wird: Der Personalberater soll für einen Zweiervorstand (Glatz-Kremsner und Martin Skopek) plädiert haben. Zudem soll überlegt worden sein, einen Novomatic-Mann in den Casinos-Vorstand zu entsenden. Novomatic-Chef Harald Neumann, der Sidlo zur Bewerbung geraten hatte, verteidigte selbigen Kritikern gegenüber mit Verve.

Der Bericht des Personalberaters sei "unfair und nicht objektiv", soll Neumann gemeint und gar politische Vorbehalte des Sidlo-skeptischen Beraters vermutet haben. Er jedenfalls brauche keinen Berater, um eine Person beurteilen zu können, soll der Novo-Chef geäußert haben. Er wisse: Sidlo hat alle nötigen Qualifikationen. (Renate Graber, 22.8.2019)