Swatting wird in den USA zu einem immer größeren Problem. In Seattle gibt es nun das erste Anti-Swatting-System.

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Swatting ist die wohl feigste Rache schlechter Verlierer beim Gaming. Unter falschem Vorwand wird die Polizei zu einem Haus gelotst, bei dem es angeblich zu einer Schießerei gekommen ist. In den USA rückt hierbei die Spezialeinheit Swat aus, daher auch der Begriff Swatting. In den Vereinigten Staaten passiert solch ein "Scherz immer wieder – zuletzt hat es den Fortnite-Weltmeister Kyle Giersdorf erwischt. Die Sache ging für den 16-Jährigen aber glimpflich aus, weil ein Beamter ihn erkannt hatte. Im vergangenen Jahr wurde bei einem Swatting-Vorfall aber ein Unschuldiger erschossen – wie kann man solch einen Vorfall nun verhindern?

Anti-Swatting-System in Seattle

Zumindest in Seattle hat man eine Maßnahme gegen diesen Racheakt gesetzt: Der dortigen Polizei kann die eigene Adresse gemeldet werden, wenn sie befürchten, künftig Opfer von Swatting zu werden. Bei Streamern oder anderen Netzpersönlichkeiten kommt dieser "Scherz" nämlich deutlich häufiger vor – die Anrufer erfahren besondere Genugtuung, wenn solch ein gefährlicher Einsatz vor laufender Kamera passiert oder intensiv darüber berichtet wird. Diese Personen können nun ihre Adresse hinterlegen. Wird eine Schießerei dort gemeldet, rückt die Polizei zwar an, allerdings wird laut der Behörde deutlich vorsichtiger vorgegangen.

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Netzpromi sorgte für Einsatz von System

Die Maßnahme geht auf einen bekannten Bürger der Stadt zurück, der unbekannt bleiben möchte. "Swatting ist wirklich angsteinflößend", schildert der Mann gegenüber "Wired". "Du kannst gerade beim Abendessen mit deiner Familie sitzen und plötzlich brüllt dich das Swat-Team mit gezogener Waffe an", fügt die Netzpersönlichkeit hinzu. Einige Freunde vom besagten Mann wurden bereits geswattet. Damit ihm dies nicht passiert, wandte er sich an die Polizei in Seattle. Diese reagierte für den Mann überraschend unterstützend und führte nach drei Monaten Vorlaufzeit die Anti-Swatting-Liste ein.

Im Rest der USA dürfte Umsetzung noch lange dauern

Die Maßnahme soll nun auch in anderen US-Bundesstaaten zum Einsatz kommen. Allerdings dürfte das noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Im Fall von Seattle wird nämlich ein automatisiertes IT-System verwendet, das Alarm schlägt. Behörden abseits der Stadt wären allerdings teilweise nicht allzu gut ausgerüstet. Bei kleineren Polizeistellen könnte so ein Anti-Swatting-System etwa derzeit nur in analoger Form umgesetzt werden. Generell sei das Problem aber weiter verbreitet als gedacht, weshalb dringender Bedarf an Aufklärung über die strikten Strafen besteht und zusätzliche Präventivmaßnahmen förderlich wären. (red, 23.8.2019)