Jerome Powells Rede zur US-Geldpolitik war mit Spannung erwartet worden.

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Jackson Hole – Die US-Notenbank wird nach Angaben ihres Chefs Jerome Powell angemessen handeln, um die Konjunktur zu stützen. Aktuell befinde sich die Wirtschaft in einer "günstigen Position", sagte er am Freitag auf der alljährlichen Notenbankkonferenz in Jackson Hole in Wyoming. Aus seiner Rede ließen sich wenige Hinweise entnehmen, ob die Währungshüter auf ihrer nächsten Zinssitzung im September die Zinsen erneut senken werden. Powell benannte zwar eine Reihe von Risiken für die US-Konjunktur – viele davon hingen mit den US-Handelskonflikten mit China und anderen Ländern zusammen –, aber "insgesamt hat sich die US-Wirtschaft weiter gut entwickelt", sagte der Fed-Chef.

Angriffe von Trump

Die unabhängige US-Notenbank steht derzeit unter starkem politischem Druck, denn US-Präsident Donald Trump fordert von ihr Zinssenkungen, um die US-Wirtschaft zu stützen. Dabei hat er auch Notenbankchef Powell immer wieder verbal angegriffen. Auch am Freitag äußerte Trump deutliche Kritik: "Wie üblich hat die Fed GAR NICHTS getan!", schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Es sei unglaublich, dass die Notenbank sich äußern könne, "ohne zu wissen oder zu fragen, was ich mache, was ich in Kürze bekanntgeben werde". Schließlich schrieb er unter Hinweis auf Powell und Chinas Präsident Xi Jinping: "Meine einzige Frage lautet: Wer ist unser größerer Feind, Jay Powell oder der Vorsitzende Xi?" Am Freitag sagte Trump, er würde Powell nicht vom Rücktritt abhalten: "Sollte er das tun, würde ich ihn nicht stoppen", wird der US-Präsident zitiert.

Aus Sicht des Präsidenten des Fed-Ablegers von Dallas, Robert Kaplan, ist es aber nicht die Geldpolitik, die die Wirtschaft derzeit belastet. "Das ist die Unsicherheit im Handel. Das ist in einem gewissen Ausmaß wahrscheinlich die Migrationspolitik", sagte er Bloomberg TV.

Debatte über den weiteren geldpolitischen Kurs

Powells Rede war mit Spannung erwartet worden. Noch zuvor ist unter den US-Währungshütern die Debatte über den weiteren geldpolitischen Kurs voll entbrannt. Mehrere führende Notenbanker äußerten sich am Freitag anlässlich des Notenbanktreffens in Jackson Hole in Fernsehinterviews zu ihren Vorstellungen. Die Fed hatte Ende Juli erstmals seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf jetzt 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Damit reagierte sie auf den Handelsstreit mit China, der zusehends auf die Weltkonjunktur und die heimische Wirtschaft durchschlägt.

Nach Einschätzung des Präsidenten des Fed-Ablegers von St. Louis, James Bullard, werden die Währungshüter auf ihrer nächsten Sitzung im kommenden Monat intensiv über eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt debattieren. "Ich denke, das wird auf den Tisch kommen", sagte Bullard dem Sender Bloomberg TV. Seine Kollegin Loretta Mester, Chefin der Fed-Filiale von Cleveland, geht nach eigenen Worten ohne Festlegung in das nächste geldpolitische Treffen. "Derzeit, wenn die Wirtschaft sich weiter wie bisher entwickelt, würde ich wahrscheinlich sagen, dass wir die Dinge so lassen sollten wie sie sind." Mester hatte die Zinssenkung im Juli nicht unterstützt. Die nächste Zinssitzung ist für den 17. und 18. September geplant.

Bereits am Donnerstag hatte sich die Chefin der Notenbank von Kansas City, Esther George, dafür ausgesprochen, momentan nicht weiter an der Zinsschraube zu drehen. "Wir befinden uns gerade in einer Art Gleichgewicht, und ich würde die Zinsen gerne so belassen", sagte sie Bloomberg TV. Sie sehe aktuell weder eine Abkühlung noch eine Stärkung der Konjunktur. (Reuters, red, 23.8.2019)