Macron will die schweren Waldbrände im Amazonas-Gebiet im Rahmen des G7-Gipfels thematisieren.

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Der internationale Druck auf den rechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wächst angesichts der seit Monaten anhaltenden und verheerenden Feuer im Amazonas-Gebiet. Bolsonaro will die Flammen mithilfe der Armee unter Kontrolle zu bringen. Satellitenaufnahmen zeigen eine Vielzahl von Bränden auch in abgelegenen Gebieten der Region.

Hunderte Quadratkilometer Tropenwald stehen in Flammen.
DER STANDARD

"Erschreckende Situation"

Die Waldbrände setzte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nun auch auf die Tagesordnung des G7-Gipfels im französischen Biarritz, der Samstagabend startet. "Unser Haus brennt. Wortwörtlich", schrieb Macron auf Twitter.

Denn der Amazonas-Regenwald gilt als grüne Lunge der Welt. Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat wiederholt klar gemacht, dass er die Amazonasregion als ungenutztes wirtschaftliches Potenzial sieht.

Bolsonaro, der selbst nicht an dem G7-Gipfel teilnimmt, wirft Macron nun eine Einmischung in innere Angelegenheiten und eine "kolonialistische Mentalität" vor.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will sich als Gastgeber des G7-Gipfels zum Krisenmanager küren. ORF-Reporter Andreas Pfeifer berichtet aus Biarritz über die damit verbundenen Herausforderungen.
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Blockade des EU-Handelsabkommens

Nach Irland droht nun auch Frankreichs Präsident Macron zu handeln und das EU-Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu blockieren. Macron sei zu dem Schluss gekommen, dass der brasilianische Präsident ihn über seine Umweltschutz-Absichten belogen habe, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter.

Die deutsche Bundesregierung hingegen will wegen der verheerenden Waldbrände im Amazonas-Gebiet nicht das Freihandelsabkommen blockieren. "Der Nichtabschluss des Mercosur-Abkommens würde keinen Beitrag dazu leisten, dass in Brasilien weniger Regenwald gerodet wird", argumentierte ein Regierungssprecher. Berlin stehe "bereit, Brasilien bei den Bemühungen zur raschen Bewältigung dieser schweren Krise zu unterstützen".

Die Brände im Amazonas-Gebiet vernichten seit Monaten weite Gebiete des Regenwalds.
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Die Regierung in Paris sieht das Mercosur-Abkommen bereits länger kritisch. Sie hatte sich Anfang Juli gegen eine rasche Ratifizierung des mit der EU ausgehandelten Vertrags ausgesprochen und zusätzliche Garantien etwa für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes verlangt. Sie will daneben auch französische Rinderzüchter schützen, die Billigimporte von Fleisch aus Südamerika fürchten.

Mit dem Mercosur-Vertrag wollen die Europäische Union und vier südamerikanische Länder die größte Freihandelszone der Welt aufbauen. Das soll Unternehmen in der EU jährlich vier Milliarden Euro an Zöllen ersparen und die Exporte ankurbeln. Zur Mercosur-Gruppe gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. (red, APA, Reuters, 23.8.2019)