Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir ließ am Donnerstag wissen, sie habe keine Zeit für ein für Anfang September geplantes Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence.

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Reykjavík/Washington – Die nächste diplomatische Verstimmung zwischen den USA und einem europäischen Land droht offenbar: Islands Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir ließ am Donnerstag wissen, sie habe keine Zeit für ein für Anfang September geplantes Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence. Politische Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit Plänen der USA, ihre ehemalige Luftwaffenbasis Keflavík wiederaufzubauen.

Dies wies Jakobsdóttir in einem Rundfunkinterview allerdings zurück. Sie habe seit längerem ihre Teilnahme an einem nordischen Gewerkschaftstreffen am 3. September in Schweden zugesagt und plane nicht, am darauffolgenden Tag zurückzureisen. Jakobsdóttir betonte, es sei aber "absolut nicht" ihre Absicht, den Besucher zu brüskieren. Der Pence-Besuch sei vom Außenministerium organisiert worden, dieser Termin habe alle früher getroffenen Vereinbarungen ordentlich "durcheinandergewirbelt", sagte Jakobsdóttir weiter. Es sei schwierig gewesen, die eigenen Termine darum herum zu organisieren.

Unterschiedliche Prioritäten

Angefacht wurden die Spekulationen über ein mögliches anderes Motiv für die Absage unter anderem dadurch, dass bei der Bekanntgabe des für 4. September geplanten Besuchs des US-Präsidenten die isländische Regierung als Arbeitsthemen Handelsfragen und allgemeine Zusammenarbeit aufzählte, während Pence in seiner gleichzeitigen Aussendung die "strategische Bedeutung der Arktis" und "Bemühungen der Nato, der russischen Aggression" in der Region zu begegnen, an erster Stelle nannte.

Die USA haben angekündigt, ihre ehemalige, 2006 aus Kostengründen geschlossene Militärbasis auf der unweit der Hauptstadt Reykjavík gelegenen Halbinsel Keflavík bis 2023 gerne wiederaufzubauen. Island verfügt über kein eigenes Militär, ist aber Mitglied der Nato.

Die Grünen, deren Vorsitzende Jakobsdóttir ist, befürworten grundsätzlich einen Austritt Islands aus dem nordatlantischen Militärbündnis, während im Koalitionsprogramm mit der konservativen Unabhängigkeitspartei und der liberalen Fortschrittspartei ein vorläufiger Verbleib in der Nato vereinbart ist. (APA, red, 23.8.2019)