Sein Leben sei wirklich nicht sonderlich schön, jammerte der gutangezogene Engländer während einer Fußmassage. In anderen Monarchien, dem Fürstentum Monaco zum Beispiel, würden die Royals wenigstens in ihrer Freizeit in Ruhe gelassen. Er hingegen sei wegen seines Privatlebens dauernd in "großen Schwierigkeiten".

Wie vieles rund um Prinz Andrew, Lieblingssohn von Queen Elizabeth II und Achter der Thronfolge, gehört die mehrere Jahre zurückliegende Szene in den Bereich des Hörensagens. Allerdings passt sie in das Bild, das sich die britische Öffentlichkeit über den Herzog von York (59) gemacht hat: Der Mann war Frauenheld (Spitzname: Randy Andy) und Freund zwielichtiger Geschäftsleute, beharrt in rüdem Ton auf seinem royalen Status und beklagt gern sein schweres Schicksal.

Lieblingssohn von Queen Elizabeth II und Achter der Thronfolge.
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Angebliche Massage-Szene

Dass Andrews Reputation nun "wahrscheinlich unwiderruflich beschädigt" ist, wie der königstreue Daily Telegraph glaubt, hat vor allem mit einem Namen zu tun: Jeffrey Epstein. Ein Jahrzehnt lang ließ sich der Prinz immer wieder von dem US-Finanzier einladen und durch die Welt fliegen, verbrachte Zeit auf dessen New Yorker Anwesen, wo auch die angebliche Massage-Szene stattfand. Den Kontakt brach der Engländer damals nicht einmal ab, als Epstein wegen Sexualdelikten zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Vor vierzehn Tage beging Epstein in U-Haft Suizid, seither reißen die für Andrew peinlichen Schlagzeilen nicht ab. Denn Epstein stand wegen Zuhälterei und Beischlaf mit Minderjährigen unter Anklage – eine Vielzahl von Frauen haben Beschuldigungen erhoben. Eine Frau behauptete, sie sei 2001 als 17-Jährige von Epstein "zur Sexsklavin gemacht" und zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden, hieß es in der Klagebegründung. Das US-Gericht von West Palm Beach in Florida beschrieb die Vorwürfe gegen den Herzog aber als "unerheblich und unverschämt"; er selbst bestritt alle Vorwürfe.

Irrlichternd

Seine Karriere als Handelsbeauftragter Großbritanniens musste Andrew schon 2011 wegen Kontakten zu dubiosen arabischen Despoten sowie wegen der Epstein-Connection aufgeben. Seither irrlichtert er durchs Königshaus, durfte etwa bei US-Präsident Donald Trumps Besuch ein Frühstück für Wirtschaftskapitäne ausrichten.

Prince Andrew bei der Hochzeit seiner Tochter Eugenie im Oktober 2018.
Foto: APA/AFP/POOL/YUI MOK

Mit seiner geschiedenen Frau Sarah ist der Prinz angeblich noch befreundet, die Töchter Beatrice und Eugenie machen wenig von sich reden. Wenigstens etwas. (Sebastian Borger, 23.8.2019)