Donald Trump beim G7-Gipfel am Sonntag.

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"Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen", twitterte Donald Trump euphorisch vor einem Jahr. Inzwischen dürfte auch im Weißen Haus Ernüchterung eingetreten sein. Seinen eigenen Handelskrieg gegen China hat der US-Präsident bereits verloren.

Das liegt daran, dass Handelsdiplomatie ein besonders schwieriges Gebiet ist, an dem sich auch Profis die Zähne ausbeißen. Denn Zölle und andere Druckmittel, über die ein Land verfügt, schaden auch der eigenen Wirtschaft. Und Trump ist ein blutiger Amateur, der entgegen seinem Mythos keine Ahnung vom Verhandeln hat. Sein Unwissen macht er durch Eigensinn und Sprunghaftigkeit wett. Für das gewiefte Regime in Peking ist dieser US-Präsident eine leichte Beute.

Das haben die Ereignisse der letzten Woche gezeigt. Nachdem China in den Gesprächen mit den US-Verhandlern weitere Zugeständnisse verweigert hatte, kündigte Trump neue Zölle auf chinesische Waren an, verschob aber wenige Tage später deren Einführung, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu stören. Denn die Zölle zahlen nicht die chinesischen Unternehmen, wie Trump gerne behauptet, sondern die US-Konsumenten. Als China eigene Zölle gegen die USA in Aussicht stellte, drohte Trump mit einer weiteren Erhöhung. Doch als die Wall Street daraufhin abstürzte und Ökonomen vor einer Rezession im kommenden Wahljahr warnten, schien Trump am Sonntag wieder zurückzurudern.

Zwickmühle

Der US-Präsident steckt in der Zwickmühle. Der Handelsstreit belastet die Finanzmärkte und die Konjunktur, mit deren Stärke er bisher geprahlt hat. Gegen diese Verwerfungen würden auch Zinssenkungen der Federal Reserve wenig ausrichten. Dennoch versucht Trump immer verzweifelter seinem Notenbankchef Jerome Powell und dessen vorsichtiger Geldpolitik die Schuld zuzuschieben und ihn als Feind der USA zu desavouieren. Doch auch das wird ihm wenig nützen, wenn die US-Wirtschaft nicht mehr wächst und die Arbeitslosigkeit wieder steigt.

Und selbst wenn Trump jetzt wieder weniger auf Drohungen und mehr auf Verhandlungen setzt, ist der Schaden bereits angerichtet. Die von ihm verursachten Unsicherheiten setzen der Weltkonjunktur immer stärker zu. Das bekommt in Europa vor allem die große Exportnation Deutschland zu spüren – und indirekt auch Österreichs Industrie.

China sitzt in diesem Nervenkrieg auf dem längeren Ast. Auch dort gefährdet ein wirtschaftlicher Abschwung die politische Stabilität, aber nur langfristig. Trump hingegen muss sich bald den Wählern stellen und kann sich Turbulenzen nicht leisten. Chinas Präsident Xi Jinping muss Trumps Drohungen immer weniger ernst nehmen und kann den Konflikt aussitzen.

Dabei gäbe es gute Gründe, auf China Druck auszuüben. Die Rolle des chinesischen Staatskapitalismus in der Weltwirtschaft gehört hinterfragt und sein Einfluss zurückgedrängt. Dafür müssten die westlichen Industriestaaten, die sich auf dem G7-Gipfel in Biarritz treffen, kooperieren. Doch genau das hat Trump vom ersten Tag an hintertrieben.

Als einzig Positives dieser Farce bleibt, dass Trump durch seine Inkompetenz die Idee des Protektionismus und einer aggressiven Handelspolitik desavouiert. Nach ihm werden nur noch wenige zu behaupten wagen, dass Länder mit Exportüberschüssen eine Art Diebstahl begehen – und Handelskriege leicht zu gewinnen sind. (Eric Frey, 26.8.2019)