"Le Figaro" (Paris): Vermittler Macron

"Es überrascht nicht, dass der G7-Gipfel in Biarritz die Krise der globalen Ordnung spiegelte, die durch die Regierungsübernahme Donald Trumps noch verstärkt worden war. Emmanuel Macron versuchte, die Meinungsverschiedenheiten bei den anderen Themen zu verschleiern, indem er eine neue Dynamik mit dem Iran schuf. Der Präsident war bemüht, ein neues Fiasko wie beim vergangenen G7-Gipfel in Kanada zu verhindern, bei dem Donald Trump die Tür mit seiner Weigerung, die Abschlusserklärung zu unterzeichnen, zuwarf. Er kämpfte darum, sich in einer Welt der großen Umwälzungen als Vermittler zu positionieren, indem er informelle Gespräche anstieß."

"taz" (Berlin): Unrealistische Ideen

"Gegenüber dem Optimismus, den Frankreichs Präsident demonstriert, ist Skepsis angebracht. Selbst wenn Trump, einer guten Laune folgend, dem Vorschlag zugestimmt hätte, wäre es kaum vorstellbar, dass die Architekten der Iran-Strategie in Washington, allen voran Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton, die als erklärte Feinde der Islamischen Republik gelten, Iran eine Atempause gönnen würden. Welchen Sinn sollte zudem eine Strategie haben, einem Gegner, den man in die Knie zwingen will, für eine Weile unter die Arme zu greifen?"

US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim G7-Gipel in Biarritz.
Foto: REUTERS/Christian Hartmann

"Frankfurter Allgemeine" (Frankfurt): Verwirrung und Dissens

"Wer hätte sich vor Jahren vorstellen können, dass ein G7-Teilnehmer einmal den Handelskrieger geben würde? Dass Trump bilaterale Abkommen schließt, steht dazu nicht im Widerspruch. Seine Partner geraten zwischen die Fronten. Der Konsens macht sich rar. Es herrschen Verwirrung und Dissens; siehe auch die Themen Iran, Nordkorea, Russland."

"Frankfurter Rundschau" (Frankfurt): Neue Form internationaler Begegnungen

"Der große Eklat ist bis Sonntag ausgeblieben; noch befand sich Trump in Biarritz, aber er bleibt unberechenbar. Auf eine gemeinsame Abschlusserklärung wurde diesmal ganz verzichtet, weil diese Kommuniqués Macron zufolge ohnehin keiner lese – ein vielsagendes Eingeständnis, wie begrenzt der Nutzen wohlklingender Verlautbarungen ist. Biarritz wird wieder einmal zeigen, dass es Zeit ist, über eine andere Form der internationalen Begegnungen nachzudenken."

"Tages-Anzeiger" (Zürich): Legitime Kritik

"Diejenigen, die man in Beamtendeutsch Akteure der Zivilgesellschaft nennt, gestalten unser Zusammenleben ebenso wie diejenigen, die wir wählen, damit sie uns politisch repräsentieren. Politiker sind auf die Erfahrung von Nichtregierungsorganisationen angewiesen.

Macron weiß das und hat sich deshalb bemüht, den Gipfel ein Stück weit zu öffnen. Doch statt einer Pforte ist nicht viel mehr als ein kleines Guckloch entstanden. Die Zahl der teilnehmenden Nicht-Politiker ist viel zu gering. Es stellt kein Sicherheitsproblem dar, sie entschieden zu erhöhen. Gleichzeitig sind die Proteste gegen die G7 auch deshalb zu einer Mischung aus Folklore und Eskalation geworden, weil sie nur noch wie ein Ärgernis behandelt werden. Nicht wie eine legitime Kritik."

"Neues Deutschland" (Berlin): Klarere Fronten

"Ist die Zeit gekommen, die Runde der 'führenden' Weltmächte aufzulösen, nachdem sie ihre Handlungsunfähigkeit vor aller Augen erweist? Eine Forderung, die gerade Linke seit Jahren erheben, mit dem Argument, dass der exklusive Klub selbst ernannter Weltenlenker durch nichts und niemanden legitimiert sei. Doch wie sich gleichzeitig zeigt, folgen strategische Übereinkünfte auf dieser Ebene zwar ganz sicher den Interessen ausgewählter Machteliten, doch stellt Interessenausgleich auf dieser Ebene auch einen Wert an sich dar. Trump zwingt erneut zum Bekenntnis. Das hat wenigstens den nützlichen Nebeneffekt, dass jeder nun erkennen kann, wie dieses Bekenntnis der 'Großen' ausfällt. Die Fronten werden klarer."

"Neue Zürcher" (Zürich): Diplomatischer Zirkus

"'Biarritz' zeigt einmal mehr die Schwächen des G7-Formats. Ursprünglich sollten die Treffen dazu dienen, dass die Führer der westlichen Welt im Rahmen eines 'Kaminfeuergesprächs' im direkten Austausch ihre Positionen ausloten und gemeinsame Prioritäten festlegen konnten. Daraus ist ein diplomatischer Zirkus mit Großaufmarsch von Medien und Demonstranten geworden, der nur noch Bilder von lächelnden, scherzenden, sich umarmenden Staatslenkern (samt Damen) hervorbringt, aber keine gemeinsamen Zielsetzungen."

Deutschlandfunk (Köln): Das Ende alter Machtkonstellationen

"In Biarritz erleben wir das Ende alter Machtkonstellationen. Solange populistische Akteure wie US-Präsident Donald Trump oder Großbritanniens Boris Johnson das Sagen haben, ist ein ursprünglich auf Konsens bedachtes Treffen der vermeintlich wichtigsten Industrienationen zum Scheitern verurteilt." (APA, red, 26.8.2019)