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Aufgeheizte Diskussionen zu politischen Themen, die den Arbeitsprozess stören, sind unangemessen, so das Technologieunternehmen in einer Revision der internen "Community Richtlinien". Mitarbeiter wittern den Versuch Googles, Proteste der Angestellten, die beispielsweise die geheime Arbeit an einer zensierten Suchmaschine für China stoppten, in Zukunft zu verhindern.

Keine Arbeitszeit mit Debatten verschwenden

Sich lautstark über Politik zu unterhalten, ist bei Google – einem Arbeitgeber, der für seine quer-denkenden Arbeitspraktiken bekannt ist – nicht mehr erwünscht, das geht aus den neuen Community Richtlinien für Mitarbeiter hervor. Produktivität ist dabei ein Stichwort – laut Google sei es die Hauptverantwortung jedes Mitarbeiters, die Arbeit zu erledigen, für die er eingestellt wurde und keine Arbeitszeit für Debatten über nicht arbeitsbezogene Themen zu aufzuwenden.

Wer sich nicht an die Richtlinien hält, hat mit Konsequenzen zu rechnen: "Vermeiden Sie Gespräche, die den Arbeitsplatz stören oder anderweitig gegen die Google-Richtlinien für den Arbeitsplatz verstoßen", warnt die Richtlinie. "Von Managern wird erwartet, dass sie sich mit Diskussionen befassen, die gegen diese Regeln verstoßen."

Stärkere Überwachung

Einem Bericht von Bloomberg zufolge, arbeite Google außerdem an einem Tool, mit welchem Mitarbeiter interne Postings melden können, sollten diese problematisch sein. Auch werde ein Team aus Moderatoren zusammengestellt, das Konversationen in Chat-Räumen des Unternehmens überwachen soll, so eine Sprecherin Googles.

Das Arbeitsklima Googles galt bisher als ein offenes, das die Meinungsäußerung von Mitarbeitern fördert. So wurden Angestellte dazu ermutigt, Entscheidungen der Manager zu hinterfragen. Für die Gründer des Unternehmens sei dieses freie Arbeitsverhältnis ausschlaggebend für den revolutionierenden Erfolg Googles in der Technologiebranche.

Interne Proteste sollen geschwächt werden

Die freie Meinungskultur der Firma hatte jedoch bereits einige Komplikationen mit sich gezogen. Angestellte hatten zuvor Chat-Räume verwendet, um sich zu versammeln und gemeinsam gegen Projekte des Unternehmens zu protestieren, die nicht ihren ethischen Prinzipien entsprachen. Dies führte dazu, dass Google die Arbeit an einer zensierten Suchmaschine für den chinesischen Markt und an einer künstlichen Intelligenz für das US-amerikanische Militär abbrechen musste.

Irene Knapp, eine Ingenieurin bei Google sagte zu Bloomberg: "Ich denke, es ist speziell dazu gedacht, Widerstand zum Schweigen zu bringen". Mit den neuen Richtlinien seien für Knapp das Ende der wichtigen Bereiche von Googles offenen Kultur. "Letztendlich setzen sich Geschäftsinteressen immer gegen die Ethik durch, wenn es darum geht, was wir sagen dürfen", so Knapp. (hsu, 26.08.2019)