Irgendwie ist es im Trubel um Ibiza-Gate und Casinos-Affäre untergegangen – wesentliche Exponenten der FPÖ betreiben in St. Jakob in Defreggen ein Bildungsinstitut, das sich vordergründig um die "Erhaltung des Waldes als Schutzwald", die "Unterstützung des Brauchtums im Defereggental" und die "Pflege kultureller und gesellschaftlicher Kontakte" kümmert. Abseits der offiziellen Statuten dient es auch als Zufluchtsort des innersten FP-Führungszirkels für den "Tag X".

Doch wovor fürchtet sich die FPÖ? Bislang ist nicht bekannt, dass die Tiroler (so wie einst in den 1970er-Jahren) ihre Schützen gegen Wien ausrücken lassen, damit ihnen die Kärntner nicht ihr geliebtes Osttirol wegnehmen - für diesen Fall wäre St. Jakob im Defereggen weiter hinter der Front der ideale Zufluchtsort. Da die FPÖ seit ein paar Jahren so gute Beziehungen mit der Putin-Partei unterhält, scheint auch eine Invasion aus Russland genauso höchst unwahrscheinlich. Und doch muss da irgendwas im Busch sein, wovor sich die FPÖ fürchtet.

HC Strache bereitete sich auf einen möglichen "Tag X" vor.
Foto: APA/AFP/JOE KLAMAR

Gut vorbereitete FPÖ

Dafür scheint mit dem Wissen um den "Tag X" vieles aus der kurzen Regierungszeit von Türkis-Blau unter völlig neuem Licht. Norbert Hofers Tempo 140 auf der Westautobahn ermöglicht es den Wiener FP-Funktionären umso schneller an ihren Zufluchtsort zu gelangen. Und Herbert Kickls Reiterstaffel wird die Unruhen auch dann erfolgreich niederschlagen, wenn die Versorgung mit Treibstoff schon längst zusammengebrochen ist.

Nachdem die Zeitungen so ausführlich darüber berichtet haben, will jetzt natürlich niemand mehr etwas vom "Tag X" wissen. Aber freuen wir uns nicht zu früh. Stellen wir uns einfach einmal vor, dass es im Herbst tatsächlich eine Neuauflage der türkis-blauen Bundesregierung gibt. Und gehen wir davon aus, dass längst schon alle Besprechungen mit (künftigen) FP-Regierungsmitgliedern nur noch in abhörsicheren Bunkern stattfinden. Wenn keine geheimen Pläne mehr nach außen dringen und die neue Regierung wirklich eine Legislaturperiode lang durchregiert, dann – ja dann scheint es durchaus möglich, dass am Ende das totale Chaos ausbricht. Letzten Endes werden wir uns noch wundern (müssen), was alles möglich ist. 

PS: Hoffentlich ist die hauseigene Wasserquelle des FP-Bildungsinstituts bis zum "Tag X" nicht schon längst an eine russische Oligarchennichte verkauft worden. Denn ohne Wasserversorgung wird es eng. Auch für die FPÖ am "Tag X". (Markus A. Gaßner, 27.8.2019)

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