Auf der ganzen Welt stehen Wälder in Flammen. Jeden Tag werden tausende Brandherde gemeldet.
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Es brennt nicht nur in Brasilien. Jeder rote Punkt auf der Karte steht für einen gemeldeten Brandherd. In den letzten 24 Stunden wurden 19.201 Brandstellen aufgezeichnet, in den letzten sieben Tagen, zwischen dem 22. und 29. August, waren es insgesamt 118.931.

Die Daten für die interaktive Karte stammen vom Fire Information for Resource Management System (Firms), einem weltweiten Feuerüberwachungssystem der US-Weltraumbehörde Nasa. Dafür messen Instrumente an Bord von Erdbeobachtungssatelliten die Veränderungen von Hitze und Helligkeit an Land und an Wasseroberflächen. Anschließend laufen die Daten durch einen Algorithmus, der entscheidet, ob es sich um ein Feuer handelt. Ob ein einzelner Punkt ein eigenes Feuer oder Teil eines bestehenden Brandes ist, kann das System allerdings nicht genau feststellen. Außerdem steht ein Punkt für einen Brandherd und bildet nicht die Größe des Feuers ab.

Der größte Brandherd der Welt

Die meisten Brände wüten den Satellitenaufnahmen zufolge in Zentral- und Ostafrika. "Afrika ist einer der größten Brandherde der Welt – wenn nicht sogar der größte. Feuer in Afrika sind aber grundverschieden von denen am Amazonas", sagt der südafrikanische Wissenschafter Harold Annegarn. Gezielt würden jedes Jahr ganze Landstriche vom Norden bis zum Süden des Kontinents abgebrannt, weil abgestorbene Gräser und Sträucher nur sehr langsam verrotten. Deren Asche gilt jedoch als Dünger. Der international gefragte Experte für Luftverschmutzung betont: "Die jährlichen Savannenbrände in Afrika sind Teil des Ökosystems, das stellt nicht gleich eine Katastrophe dar." In Wellen würden die Feuer von Westafrika über den Kongo und Angola bis in den Süden wandern.

Mit Sorge sieht Annegarn eine neue Entwicklung in Teilen Nigerias oder des Kongo, bei der für die Jagd ganze Wälder in Brand gesteckt werden, um dann das fliehende Wild auf einfache Weise zu erlegen. Auch die Brandrodung für Landwirtschaftszwecke sei ein zunehmendes Problem – wenn auch bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Brasilien.

Die Lunge der Erde brennt

In Brasilien wüten die heftigsten Waldbrände seit Jahren. Die Zahl der Feuer stieg nach Angaben der brasilianischen Weltraumbehörde (Inpe) seit Anfang des Jahres um 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf mehr als 80.000 Brände. Etwas mehr als die Hälfte der Brände wurde im Amazonas-Gebiet registriert, ein Drittel im sogenannten Cerrado, einer Savannenlandschaft im Südosten des Landes.

"Der August 2019 sticht hervor, weil er eine beachtliche Zunahme von großen, heftigen und andauernden Bränden entlang der Landstraßen im Zentrum des brasilianischen Amazonas-Gebiets gebracht hat", schreibt Douglas Morton von der Nasa. "Während Dürren in der Vergangenheit eine große Rolle beim Entfachen der Brände gespielt haben, stehen die Feuer zu Beginn der aktuellen Trockenzeit eher im Zusammenhang mit Brandrodungen."

Zündquelle Mensch

Auch in Indonesien brennen die Wälder. Seit Beginn des Jahres sind bereits mehr als 410.000 Hektar Wald vernichtet worden. Betroffen sind vor allem die Inseln Borneo und Sumatra. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde vom Dienstag sind aktuell mehr als 8.000 Helfer im Einsatz, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Behörde sprach von mehr als 350 Brandherden.

Solche großen Feuer sind im Dschungel des weltgrößten Inselstaats nicht ungewöhnlich, vor allem in der gegenwärtigen Trockenzeit. Sie sind aber schlimmer als in den beiden Vorjahren. Immer wieder kommt es vor, dass Feuer absichtlich gelegt wird, um den Wald abzuholzen – von Farmern oder von Arbeitern im Auftrag von Firmen. (Anika Dang, APA, dpa, 29.8.2019)