Eine Aufnahme der Mare Jonio vom Mai 2019.

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Rom/Valletta – Das Rettungsschiff Eleonore, ein Sportboot, das unter deutscher Falgge fährt, wartet mit 101 Geretteten außerhalb maltesischer Hochheitsgewässer auf einen Landehafen. "Wir sind wieder einmal mit unseren erschöpften Gästen allein gelassen worden", twitterte die deutsche Hilfsorganisation Mission Lifeline, die das Rettungsschiff unterstützt, am Mittwoch.

Zwar seien dem Schiff Lebensmittel und Wasser geliefert worden. "Das ersetzt aber nicht Frieden und Sicherheit. Wir bitten um Solidarität mit uns", erklärte die Organisation.

Zeichen von Misshandlung und Folter

Das zweite Rettungsschiff, dass derzeit im zentralen Mittelmeer unterwegs ist, ist die Mare Jonio, ein italienisches NGO-Schiff, dass von der Hilfsorganisation Mediterranea betrieben wird. Es nahm am Mittwochvormittag von einem sinkenden Schlauchboot etwa 100 gerettete Migranten an Bord, unter ihnen acht schwangere Frauen und 28 Minderjährige gehören, twitterte die NGO.

"Zum Glück haben wir rechtzeitig Hilfe leisten können. Einige Menschen sind unterkühlt. Andere tragen die Zeichen der Misshandlungen und Folterungen, die sie in Libyen erlitten haben. Sie flüchten alle vor der Hölle", erklärte Mediterranea. Die Hilfsorganisation warte auf Anweisungen über einen Landehafen.

Die Hilfsorganisation hatte vergangene Woche die Mare Jonio erneut aufs Mittelmeer geschickt. Das Schiff unter italienischer Flagge war im Mai von den sizilianischen Justizbehörden beschlagnahmt worden. An Bord befinden sich 22 Crewmitglieder, teilte die Organisation mit.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat der Eleonore und der Nare Junio – ganz im Zeichen seiner harten Einwanderungspolitik – die Einfahrt in einen italienischen Hafen untersagt.

Sondertreffen zur Umverteilung

Rettungsschiffen, die in Italien eintreffen, droht die Konfiszierung und eine hohe Geldstrafe. Italien ist einer von fünf Staaten, die sich am 19. September auf einem EU-Sondertreffen zum Thema Seenotrettung treffen wollen. Malta habe die zuständigen Minister von Deutschland, Frankreich und Italien sowie den EU-Ratsvorsitzenden Finnland eingeladen, heißt es gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aus EU-Kreisen.

Eine Übergangsregelung zur Umverteilung soll verhindern, dass Italien und Malta Schiffen mit geretteten Menschen die Einfahrt in ihre Häfen untersagen. Beide Staaten hatten dies in der Vergangenheit mehrfach getan.

Sie forderten, dass zunächst anderen EU-Staaten zusagen, ihnen alle Migranten an Bord der Schiffe abzunehmen. Darauf folgte meist mühsame Telefondiplomatie zwischen der EU-Kommission und einigen Regierungen. Die Menschen mussten infolgedessen oft mehrere Wochen an Bord der privaten Rettungsschiffe ausharren, bis eine Lösung gefunden war. Vor allem Deutschland und Frankreich hatten zuletzt auf ein Ende dieser Lage gedrängt. (red, APA, 28.8.2019)