Am Mittwoch kam Greta Thunberg mit ihrer Crew in New York an.

Foto: Reuters/MIKE SEGAR

2018 begann die damals 15-jährige Thunberg ihren "Schulstreik für das Klima" mit einem selbstgemalten Schild vor dem Parlament in Schweden. Auch bei ihrer Ankunft in den USA hielt sie das Schild in ihren Händen.

Foto: Reuters/ANDREW KELLY

"Es war einfach schön, hinaus aufs Meer zu kommen und man selbst zu sein", resümierte Thunberg.

Foto: Reuters/MIKE SEGAR

Bei der Ankunft erwarteten Thunberg 17 Boote der Vereinten Nationen, jedes stand symbolhaft für eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN.

Foto: Reuters/MIKE SEGAR

Bild nicht mehr verfügbar.

Auch Unterstützerinnen und Unterstützer hießen die Klimaaktivistin in New York willkommen.

Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/SPENCER PLA

"Ihr seid unsere Heldinnen", war auf einem Plakat zu lesen – gemeint sind wohl Thunberg und Mitstreiterinnen.

Foto: AP/Mark Lennihan

Zwei Wochen nach ihrem Aufbruch zur Überquerung des Atlantiks per Rennjacht hat Klimaaktivistin Greta Thunberg am Mittwochnachmittag Ortszeit New York erreicht. Für Thunberg gehen damit zwei Wochen auf offener See zu Ende. Vor Hunderten Schaulustigen, jungen Aktivisten und Medienvertretern betrat die Schwedin zum ersten Mal in ihrem Leben US-Boden. In der Hand hielt sie dabei ihr berühmt gewordenes Protestschild mit der Aufschrift "Skolstrejk för klimatet", Schulstreik für das Klima.

"Es war einfach schön, hinaus aufs Meer zu kommen und man selbst zu sein, abgekoppelt von allem und allen", resümierte Thunberg kurz vor der Ankunft zur schwedischen Zeitung Dagens Nyheter. Es sei ein einzigartiges Erlebnis gewesen, das Leben im Meer beobachten zu können.

Über fehlende Updates konnte sich die Öffentlichkeit wahrlich nicht beklagen. Bereits vor ihrem Ablegen im britischen Plymouth am 14. August wurden Interessierte mit Daten, Zahlen, Fakten zur Sportyacht, der Crew und der Reise über den Atlantik versorgt. Es gab Meldungen über die erste zurückgelegte Seemeile, die erste Nacht, die fehlende Seekrankheit, und in den vergangenen Tagen ging es noch einmal Schlag auf Schlag: Thunberg kommt früher als erwartet in New York an. Dann doch nicht, der Wellengang ist zu hoch, der US-Zoll sperrt bereits. Die Winde stehen aber wieder günstig, vielleicht geht es sich doch aus. Nein, ja, vielleicht.

Ausruhen bis zum UN-Gipfel

Nach der zweiwöchigen Reise ist für Thunberg nun einmal Entspannung angesagt. Die Jugendliche will sich regenerieren, um spätestens für den UN-Weltklimagipfel ausgeruht zu sein. Dort wird sie im Rahmen eines Jugendtreffens am 21. September und schließlich während des Hauptgipfels am 23. September sprechen. Wie scharf die 16-jährige Schwedin diesmal die politischen Entscheidungsträger kritisiert, bleibt abzuwarten. Während der letzten UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice im Dezember fand Thunberg jedenfalls klare Worte in Richtung Verhandler: "Ihr seid nicht reif genug, um die Dinge beim Namen zu nennen. Selbst das überlässt ihr uns Kindern."

Im Jänner folgte schließlich der markante Ausspruch während des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Davos: "Unser Haus brennt." Gemeint hat Thunberg die globale Klimaerwärmung, die – sollte sie nicht stark verlangsamt werden – mit 2030 zu schweren Wetterkatastrophen und Nahrungsunsicherheit führen wird. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron borgte sich vor hurzem den Satz, um auf die Dramatik der Waldbrände im Amazonasgebiet aufmerksam zu machen.

USA als hartes Pflaster

Mit markigen Ansagen wird es Thunberg in den USA allerdings schwerer haben als in Europa. Auf dem alten Kontinent vereint sie mittlerweile hunderttausende Anhänger hinter sich. Als sie vor einem Jahr ihre Proteste gegen die Zerstörung des Weltklimas vor dem Parlament in Stockholm begann, teilte sie ihre Kritik noch auf Handzetteln und mit ihrem bekannten Schild "Skolstrejk för Klimatet" aus. Mittlerweile folgen Schülerinnen und Schüler fast auf der ganzen Welt ihrem Ruf, wenn die 16-Jährige sie dazu auffordert, am Freitag die Schule zu schwänzen – ein Streik für einen besseren Planeten.

In den USA kennt die junge Schwedin allerdings noch kaum jemand. Und fast nirgendwo haben Klimaleugner so leichtes Spiel wie in der amerikanischen Öffentlichkeit, wo selbst der Präsident den menschengemachten Klimawandel anzweifelt. Donald Trump beschrieb ihn gar als Falschmeldung, die von China in die Welt gesetzt wurde, um der US-Wirtschaft zu schaden.

Sorgen um das Weltklima nennt Trump "bullshit". Und während des G7-Gipfels im französischen Biarritz ließ der US-Präsident das Gespräch über den Klimawandel gleich vollkommen sausen. Dass Macron die Waldbrände hoch auf die Agenda des Treffens der sieben reichsten Demokratien gestellt hatte, nannte Trump eine falsche Prioritätensetzung. In Medienberichten vor wenigen Wochen war gar die Rede davon, dass die US-Regierung gezielt wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel missachtet und Warnungen zur Erderwärmung zensuriert.

Kein Treffen mit Trump

Einem möglichen Treffen mit Trump hat Thunberg bereits im Vorfeld eine Absage erteilt. Sie sehe keine Möglichkeit, dass der Präsident auf sie hören werde: "Ich kann nicht jeden überzeugen, und anstatt mit mir und schulstreikenden Kindern zu sprechen, sollten sich (die Entscheidungsträger) mit richtigen Wissenschaftern und Experten auf dem Gebiet unterhalten." So trug sie auch während ihrer Fahrt über den Atlantik den Spruch "Unite Behind the Science" oder "Vereint euch hinter der Wissenschaft" auf ihrer Segeljacke.

Mit dem Törn auf der klimaneutralen Sportyacht wollte Thunberg – die auf Reisen mit dem Flugzeug wegen der Klimaschädlichkeit verzichtet – darauf aufmerksam machen, dass es fast "unmöglich ist, nachhaltig zu leben", wie sie der New York Times sagte. Was vor allem dadurch klar wurde, dass die Yacht von fünf neuen Crewmitgliedern wieder nach Europa überstellt werden muss. Dafür sind fünf Transatlantikflüge notwendig. Plus einem Flug extra, da Thunbergs Skipper Pierre Casiraghi auch wieder per Flieger nach Hause reist. Unklar ist auch noch, wie die 16-Jährige wieder nach Europa gelangen wird.

Bis dahin wird sie aber Entscheidungsträger auf dem amerikanischen Kontinent treffen und an den UN-Klimagesprächen in Chile im Dezember teilnehmen. Das geht dann wieder mit dem Zug. (Bianca Blei, red, 28.8.2019)