Eduardo Bolsonaro soll nach dem Willen seines Vaters Botschafter in Washington werden.

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Experten kritisieren die Zerschlagung brasilianischer Umweltinstitutionen durch den Präsidenten. Sie sei ein Mitgrund für die Brände am Amazonas.

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Der Sohn von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro trifft am Freitag mit US-Präsident Donald Trump in Washington zusammen. Eduardo Bolsonaro sagte in Brasilia, er werde Trump seinen Dank aussprechen, weil der US-Präsident Brasilien beim jüngsten G7-Gipfel in Frankreich verteidigt habe. Eduardo Bolsonaro reist gemeinsam mit Außenminister Eduardo Araujo in die USA. Nach dem Willen seines Vaters soll er Botschafter in Washington werden. Es ist aber unklar, ob der brasilianische Senat der Personalie zustimmt.

Das Land wird wegen der Regenwaldbrände im Amazonas-Gebiet derzeit international kritisiert. Im Streit um Hilfszahlungen hat auch Eduardo Bolsonaro eine klare Meinung: "Werden wir den Amazonas-Fonds annehmen und uns dafür weiter prostituieren? Hier ist Brasilien, hier haben wir das Sagen", sagte der Parlamentsabgeordnete am Donnerstag. "Wenn sie weiter einzahlen wollen, sollen sie das tun. Wenn nicht, herzlichen Dank. Wir werden nicht heulen und alles tun, um dieses Geld zu bekommen."

Geld für den Regenwald

Der Fonds wird vor allem von Norwegen und zu einem kleineren Teil auch von Deutschland getragen. Er finanziert Projekte für Umweltschutz, Wiederaufforstung und nachhaltige Entwicklung im Amazonas-Gebiet. Wegen der umstrittenen Umweltpolitik des brasilianischen Präsidenten hatte Norwegen seine Zahlungen zuletzt gestoppt. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze kündigte an, Fördermittel auf Eis zu legen. Die deutsche Beteiligung am Amazonas-Fonds über das Bundesentwicklungsministerium ist davon bisher nicht betroffen.

Bolsonaro hatte zuletzt auch die Annahme eines Hilfsangebots der G7-Staaten von Bedingungen abhängig gemacht. Der Staatschef wirft den reichen Industrieländern vor, die Souveränität seines Landes zu missachten und ein Auge auf die Bodenschätze der Region geworfen zu haben. Auch sein Sohn Eduardo vermutet unlautere Motive: "Amazonien, diese schöne Frau, trifft einen Typen. Er geht zu ihr, blinzelt ihr zu, will ihr einen Drink kaufen. Ich glaube nicht, dass dieser Drink ganz kostenlos ist, oder?"

Brandrohdungsverbot

Am Donnerstag wurde zumindest ein 60-tägiges Verbot des Abbrennens von Flächen in Kraft getreten. Dieses war vom Präsidenten mit einem landesweit geltenden Dekret angeordnet worden. Es soll aber Ausnahmen von dem Verbot geben.

Umweltschützer zweifeln daran, dass die Maßnahme etwas bringen wird. "Die Leute, die ohne Genehmigung Feuer legen, werden sich nicht daran halten", sagte Rodrigo Junqueira vom Sozialökologischen Institut. Am Donnerstag nahm die Polizei drei Menschen fest, die in einem Naturschutzgebiet im Bundesstaat Para mehr als 5.000 Hektar Wald abgebrannt haben sollen. Allein am Dienstag und Mittwoch wurden mehr als 1.600 neue Brände festgestellt.

Anhaltende Kritik

Indes ebbt die Kritik an Bolsonaro nicht ab. So ist die deutsche Lateinamerikaexpertin Regine Schönenberg der Meinung, die Waldbrände am Amazonas seien auf die Zerschlagung der brasilianischen Umweltinstitutionen durch Bolsonaro zurückzuführen. "Diese Institutionen sind wegen des finanziellen und personellen Kahlschlags nicht mehr funktionsfähig", sagte sie im Interview mit der APA.

Seit 30 Jahren habe man im Amazonas-Gebiet, das ungefähr der Fläche Europas entspreche, mit vielen Organisationen und Partnern großes Know-How aufgebaut. Dazu gehört laut Schöneberg ein umfassendes Brandbekämpfungsprogramm, das auf die Kooperation vieler Behörden und Ebenen setzt. "Deswegen ist es jetzt auch so lächerlich, dass Soldaten geschickt werden. Davor wurden alle ausgebildeten Leute rausgeworfen", beklagte die Forscherin der Freien Universität Berlin. Für jede Brandrodung und jeden gefällten Baum im Amazonas sei bisher eine Genehmigung nötig gewesen, die Umweltinstitutionen ausstellten und kontrollierten.

Die Kulturhistorikerin Ursula Prutsch vom Amerika-Institut der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hielt fest, dass sich in Brasilien der Widerstand gegen Bolsonaros Politik mehre. Viele Menschen unterstützen die Politik des Präsidenten jedoch noch immer. "Das ist eine richtige trotzige Realitätsverweigerung", so Prutsch. Gerade die Aussage von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der Amazonas sei aufgrund seiner Bedeutung für das globale Klima ein Gemeingut, beurteilte Schönenberg als "kontraproduktiv", denn diese schüre das gegenstandslose rechtspopulistische Narrativ, der Westen wolle Amazonien internationalisieren.

Boliviens Präsident verirrt sich

Neben Brasilien ist auch Bolivien von den starken Bränden am Amazonas betroffen. Die Regierung unter dem linksgerichteten Präsidenten Evo Morales hatte am Mittwoch erklärt, Brände hätten in diesem Jahr bereits 1,2 Millionen Hektar Wald und Grasland verwüstet. Umweltschützer gehen aber von einer deutlich größeren Fläche aus.

Zu einem Zwischenfall kam es kürzlich, als Morales im Urwald war, um an der Bekämpfung der verheerenden Brände teilzunehmen und sich dabei verlaufen hatte. "Wir haben in der vergangenen Nacht ein kleines Abenteuer erlebt", sagte der erste indigene Staatschef am Donnerstag vor Journalisten in Roboré im Osten des Landes. "Wir sind fast eine Stunde herumgeirrt, aber dank der Hilfe von Soldaten konnten wir den Rückweg finden", berichtete der Präsident lachend.

Der Fernsehsender Uno veröffentlichte ein kurzes Amateurvideo, in dem Morales mitten in der Nacht in einem Wald in der Nähe des Dorfes Caballo Muerto mehrfach ruft: "Wo sind Sie? Wo sind Sie?" (APA, 30.8.2019)