Eine fünfköpfige Jugendbande wurde am Freitag verurteilt, weil sie in einen Raubüberfall verwickelt war.

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Wien – Eine fünfköpfige Jugendbande wurde am Freitag am Landesgericht Wien verurteilt. Die zwei Burschen und drei Mädchen waren in einen Raubüberfall involviert: Am 19. Mai 2019 schlugen zwei maskierte Burschen einen 48 Jahre alten Mann bei sich zu Hause in Wien-Liesing zu Boden, bedrohten ihn mit einer Gaspistole und raubten ihm 1.000 Euro sowie Schmuck. Für die Hauptangeklagten setzte es teilbedingte Haftstrafen zwischen eineinhalb und drei Jahren.

Opfer soll Suchtgifthändler gewesen sein

Ausgegangen war der Überfall von einer 17-Jährigen, die regelmäßig mit dem 48-Jährigen Zeit verbrachte – dessen Stieftochter war ihre beste Freundin. Der Mann dürfte vom Suchtgifthandel gelebt haben. Die 17-Jährige bekam mit, dass er seine Einkünfte in einem Tresor in seiner Wohnung aufbewahrte. Außerdem lud der Mann die Teenies gerne in seine Wohnung ein, wo er sie dann mit Alkohol, Cannabis und Kokain versorgte – das hatte sich im Grätzel herumgesprochen.

Laut Anklage beschloss die beschäftigungslose 17-Jährige, dem Mann seine Wertsachen abzunehmen. Sie heuerte zu diesem Zweck ihren Ex-Freund – einen 18 Jahre alten Chauffeur – an, der gemeinsam mit einem 20-jährigen Freund den 48-Jährigen überfallen sollte. Nachdem der Raubzug beschlossen worden war, besuchte die 17-Jährige am festgelegten Abend den 48-Jährigen und nahm zwei Bekannte – 16 und 17 Jahre alt – als Begleiterinnen mit. Während der ahnungslose Wohnungsbesitzer die Stunden mit den drei Mädchen verbrachte, bereiteten diese den Coup vor, indem eine von ihnen den Hund des Mannes Gassi führte und den draußen bereits wartenden Tätern den Haustorschlüssel übergab. Eine andere gab vor, telefonisch eine Pizza zu bestellen – als es gegen Mitternacht an der Wohnungstür läutete, öffnete der 48-Jährige im Glauben, der Pizzabote sei da.

"Denkzettel" vom 18-jährigen "Ritter"

In Wahrheit standen ihm zwei maskierte Burschen gegenüber, die sogleich auf ihn einschlugen und – nachdem er zu Boden gegangen war – ihn mit einer Gaspistole bedrohten. Sie verlangten den Tresorschlüssel, bekamen diesen auch umgehend und räumten den Inhalt des Tresors aus. Die unmittelbaren Täter wurden festgenommen und wanderten in U-Haft.

Vor einem Schöffensenat legten sämtliche Angeklagten Geständnisse ab. Die Verteidiger der jungen Männer, Elmar Kresbach und Robert Lattermann, betonten, jene wären von der Erstangeklagten instrumentalisiert worden. Der Ex-Freund der 17-Jährigen habe dem Opfer einen Denkzettel verpassen wollen, "dass er die Finger von kleinen Mädchen lassen soll", wie Lattermann sagte. Kresbach wiederum meinte, der 18-Jährige habe sich "als Ritter aufgespielt".

Opfer gestorben, kein Zusammenhang mit Raub

Die 17-jährige Anstifterin erhielt am Ende eineinhalb Jahre Haft, davon sechs Monate unbedingt. Ihr um ein Jahr älterer Ex-Freund bekam zweieinhalb Jahre, davon zehn Monate unbedingt, sein 20-jähriger Komplize drei Jahre, davon ein Jahr unbedingt. Die zwei untergeordnet beteiligten Mädchen kamen jeweils mit sechs Monaten auf Bewährung davon. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft keine Erklärung abgab.

Der überfallene Mann stand der Justiz nicht mehr zur Verfügung. Er ist mittlerweile gestorben, wobei sein Ableben keinen kausalen Zusammenhang mit dem inkriminierten Raub hatte. Dem Vernehmen nach soll jahrelange Suchtmittelabhängigkeit zum Tod geführt haben. (red, APA, 30.8.2019)