Greta Thunberg polarisiert wie wenige andere Aktivisten.

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Greta Thunberg ist die Gallionsfigur der aktuellen Klimaschutzbewegung. Was als einfacher Schulstreik begonnen hat, wurde zu einer weltumspannenden Protestbewegung. So sehr die 16-jährige Schwedin von Anhängern der Bewegung verehrt wird, so sehr löst sie bei Gegnern Verachtung und sogar Hass aus. Viele der besonders untergriffigen Kommentare kommen von rechter Seite. Forschungen legen einen Zusammenhang zwischen Klimawandelleugnung, Rechtsextremismus und Frauenhass nahe.

Universitäre Forschungen zur Klimawandelleugnung

Thunberg wird von vielen Seiten kritisiert. Hinter ihr stecke eine PR-Maschinerie, sie sei nicht authentisch und nur eine Sprechpuppe für politische Agenden, heißt es oft. Doch die Reaktionen auf die 16-Jährige gehen noch viel weiter. Im Netz wird sie laufend beschimpft und verächtlich gemacht. Ihr Aussehen, ihr Auftreten und ihre mentale Verfassung werden angegriffen. Auch sexistische Beleidigungen muss sich die junge Frau gefallen lassen. Reaktionen, die keine Kritik sind, sondern Hass und Hetze.

An der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg beschäftigt man mit den Ausprägungen der Klimawandelleugner. An der Universität wurde dafür das Centre for Studies of Climate Change Denialism (CEFORCED) eröffnet. Hier konzentriert man sich auf drei Gruppen: die Rohstoffindustrie, konservative Think Tanks und rechte Nationalisten. Für letztere analysieren die Forscher vor allem Soziale Medien und Diskussionsforen.

Studien zeigen, dass der Prozentsatz die Leugnung des Klimawandels unter männlichen Konservativen höher ist als unter anderen Gruppen. Schon 2014 hieß es in einem Papier der Wissenschaftler, dass für Klimawandelleugner nicht die Umwelt bedroht sei, sondern die moderne, industrialisierte Gesellschaft, die von "ihrer Art von Maskulinität" erschaffen und dominiert wurde, berichtet "New Republic". Männliche Rechtskonservative würden sich durch die Klimaschutzbewegung in ihrer Identität bedroht fühlen.

Bedrohte Identität

Gleichzeitig erlebt diese Gruppe auch die Gleichstellung der Geschlechter als Bedrohung ihrer Identität. Das hat sich etwa in den Reaktionen vieler rechtskonservativer Männer auf die Meetoo-Bewegung gezeigt. Nationalismus, Anti-Feminismus und Klimawandelleugnung sind laut den Forschern überlappend und bestärken sich gegenseitig. Hinzu kommt, dass Umweltschutz und Umweltaktivismus vor allem als weiblich dominiert gesehen wird, wie Umfragen zeigen.

Eine junge Umweltaktivistin wie Greta Thunberg oder auch die US-amerikanische, demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez verkörpern daher alles, wodurch sich nationalistische, rechtskonservative Männer in ihrer Identität bedroht fühlen. (red, 31.8.2019)