Noch wissen die Experten nicht, was die Beschwerden auslöst. Es gibt viele verschiedene E-Zigaretten und Liquids, die verdampft werden.

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Die US-Gesundheitsbehörde CDC und die Arzneimittelaufsicht FDA untersuchen aktuell, ob der Gebrauch von E-Zigaretten bei zahlreichen amerikanischen Patienten zu schweren Lungenerkrankungen geführt hat. Zuvor hatten sich in den USA Meldungen von insgesamt 215 Menschen mit ungeklärten Lungenerkrankungen gehäuft, die nach dem Konsum von E-Zigaretten aufgetreten waren.

Bei den Behörden suche man nun mehr Informationen darüber, ob es Zusammenhänge zwischen den Erkrankungen und einzelnen Produkten oder Substanzen gebe, teilten diese in einer Erklärung mit. Bisher sei ein solcher Zusammenhang nicht bewiesen, in vielen Fällen hätten Patienten jedoch den E-Zigaretten die Cannabis-Substanzen THC oder CBD zugesetzt.

Die Betroffenen litten unter Atembeschwerden, Atemnot und Brustschmerzen, dazu in einigen Fällen an Magen-Darm-Erkrankungen mit Erbrechen und Durchfall. Zuletzt gab es zudem einen ersten Todesfall: Am 22. August war dem Gesundheitsministerium im US-Bundesstaat Illinois der Tod eines Erwachsenen gemeldet worden, der zuvor eine solche Zigarette benutzt hatte und laut Ministerium mit "einer schweren, ungeklärten Atemwegserkrankung ins Krankenhaus eingeliefert worden war." Bisher sei unbekannt, ob dieser Fall und die Hunderten Erkrankungen auf eine gemeinsame Ursache zurückgeführt werden könnten.

Nicht auf der Straße kaufen

Außerdem warnten CDC und FDA nun vor dem Kauf und Gebrauch von nachträglich veränderten Vaping-Geräten und den "Liquids" genannten Flüssigkeiten, die verdampft werden, auf der Straße. Stattdessen sollten nur vom Hersteller verkaufte Produkte genutzt werden. Konsumenten sollten den Liquids keine eigenen Stoffe hinzufügen.

Noch tappen die Experten im Dunkeln, was genau die Beschwerden auslöst. Zwar hätten alle gemeinsam, dass die Betroffenen E-Zigaretten geraucht hätten, trotzdem habe man bisher kein bestimmtes Produkt ausfindig machen können, das mit allen Erkrankungen in Verbindung stehe. Es gibt viele verschiedene E-Zigaretten und Tausende Liquids.

Für Robert Loddenkemper, Experte für E-Zigaretten bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, ist es denkbar, dass eine komplexe allergische Reaktion auf Bestandteile des Dampfs die Symptome bei den US-amerikanischen Patienten ausgelöst hat. Es seien in den vergangenen Jahren bereits vergleichbare Fälle beschrieben worden. Allerdings seien auch andere Ursachen möglich. Aus Deutschland ist Loddenkemper kein vergleichbarer Fall bekannt.

Die Krankheitsfälle in den USA sind untypisch: "E-Zigaretten werden eigentlich mit anderen gesundheitlichen Schäden in Verbindung gebracht", so Loddenkemper. Studien zufolge könnten sie chronische Bronchitis, Asthma und COPD auslösen und zu Gefäßstörungen und Herzinfarkt führen. Mikropartikel im Dampf der E-Zigaretten können Loddenkemper zufolge über die Lunge in den Organismus gelangen und Krankheiten in weiteren Organen verursachen.

Auswirkungen umstritten

Die Schadstoffmenge im Aerosol von E-Zigaretten ist Analysen zufolge deutlich niedriger als im Rauch von normalen Zigaretten. Trotzdem ist es unabhängig von den aktuellen Krankheitsfällen in den USA unter Experten umstritten, ob E-Zigaretten als weniger schädliche Alternative zu normalen Zigaretten oder für Rauchentwöhnung zu empfehlen sind.

CDC-Experte Brian King sagt über E-Zigaretten: "Sie können eine Vielzahl potenziell schädlicher Inhaltsstoffe enthalten." So seien bereits krebserregende Chemikalien, Schwermetalle und andere Stoffe in entsprechenden Produkten gefunden worden. Diese Inhaltsstoffe stünden nach bisherigen Erkenntnissen zwar nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den aktuellen Erkrankungsfällen, könnten die Symptome aber verstärken.

"Die FDA hat Proben aus einer Reihe von Staaten erhalten und wird diese auf ihre Bestandteile untersuchen", sagte der Abteilungsleiter der FDA-Tabaksparte, Mitch Zeller. Dabei gehe es um den Gehalt von Nikotin, aber auch um den psychoaktiven Wirkstoff THC und möglicherweise enthaltene Chemikalien. (APA, 2.9.2018)