Die für viele bittere Nachricht gleich vorneweg: Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann hat es nicht geschafft. Er ist im Rennen um den SPD -Vorsitz ausgeschieden, bevor es richtig begonnen hat – und das war auch keine Überraschung.

Denn Böhmermann gelang es nicht, die formalen Hürden zu überwinden. SPD-Mitglied hätte er schnell werden müssen, zudem wäre die Unterstützung eines SPD-Landesverbandes, eines Bezirks oder von fünf Unterbezirken nötig gewesen. Die SPD wird aber nicht kopflos bleiben, denn 17 Personen – acht Duos und ein Einzelbewerber – haben alle Hürden geschafft, sie sind nun offizielle Kandidaten für den Parteivorsitz.

Die Ochsentour an der Basis beginnt

Nun müssen die 17 Bewerberinnen und Bewerber sich bei der Basis vorstellen. Es wird eine ziemliche Ochsentour, denn den Kandidaten stehen 23 Termine im ganzen Land bevor. Am Mittwoch geht es in Saarbrücken los, am 12. Oktober endet das Schaulaufen in München. Danach stimmen die 440.000 SPD-Mitglieder ab. Die Sieger bekommen vom Parteivorstand eine Empfehlung für den Parteitag Anfang Dezember in Berlin. Dieser hat dann das letzte Wort.

Klara Geywitz/Olaf Scholz: Der deutsche Finanzminister wollte zuerst nicht antreten und erklärte, sein Amt als Finanzminister lasse ihm keine Zeit. Doch als immer mehr Bewerber aus der zweiten und dritten Reihe ihren Anspruch anmeldeten, legte er eine Kehrtwende hin. Er kandidiert gemeinsam mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz. Obwohl Scholz bei den Genossen nicht besonders beliebt ist, liegt er mit Geywitz in einer Umfrage vorn. Die beiden bekämen laut Forsa von 26 Prozent der SPD -Mitglieder die Zustimmung. Vor allem Scholz gilt als dezidierter Vertreter der großen Koalition.
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Nina Scheer/Karl Lauterbach: Die zweithöchste Zustimmung – 14 Prozent – verzeichnen der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach und Nina Scheer. Ihre Kampagne heißt "sozial, ökologisch, klar" – die beiden stehen für den Ausstieg aus der Groko.
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Petra Köpping/Boris Pistorius: Es folgen mit zwölf Prozent Zustimmung der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping. Der 59-Jährige könnte mit dem Thema Sicherheit eine Flanke abdecken, die viele derzeit als offen betrachten.
Gesine Schwan/Ralf Stegner: 13 Prozent der Genossinnen und Genossen würden die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan und SPD-Vize Ralf Stegner wählen. Die Politologin Schwan ist mit 76 Jahren die älteste Bewerberin. Stegner ist der großen Koalition gegenüber kritisch eingestellt, spricht sich aber nicht unbedingt für einen Ausstieg aus.
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Weniger groß sind die Chancen für vier weitere Paare, die aber ebenfalls wild entschlossen sind:

  • Simone Lange/Alexander Ahrens: Die beiden sind Oberbürgermeister von Flensburg (Schleswig -Holstein) und Bautzen (Sachsen). Lange trat am Parteitag 2018 schon gegen Andrea Nahles an.
  • Christina Kampmann/Michael Roth: Die ehemalige Familienministerin von Nordrhein-Westfalen und der Staatsminister im Auswärtigen Amt waren die ersten beiden Bewerber im Reigen.
  • Saskia Esken/Norbert Walter-Borjans: Die Informatikerin sitzt im Innenausschuss des Bundestages, der ehemalige Finanzminister von Nordrhein-Westfalen machte sich mit seinem Kampf gegen Steuerhinterziehung mittels Schweizer Konten einen Namen.
  • Hilde Mattheis/Dierk Hirschel: Die Bundestagsabgeordnete ist eine Vertreterin des linken Flügels, Hirschel Chefökonom der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Und last but not least versucht auch noch der Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner aus Bayern als Solist sein Glück. (Birgit Baumann, 3.9.2019)