Der Huawei-Vorsitzende Eric Xu sieht auch Europa in der Pflicht.

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Huawei wird sein neues Top-Smartphone mit dem Namen Mate 30 ohne vorinstallierte Google-Apps am 19. September in München vorstellen. Der Huawei-Vorsitzende Eric Xu geht gegenüber dem Handelsblatt davon aus, dass der chinesische Handelsstreit mit den USA auch "in den nächsten Wochen oder Monaten nicht beigelegt wird".

Europa soll helfen

Alternativen sind daher nötig. Xu betont, dass Huawei in der Smartphone-Produktion vollständig ohne Komponenten von US-Unternehmen auskommen würde. Das Unternehmen habe sich bereits ein eigenes Ökosystem in China aufgebaut und plane nun auch eines im Ausland.

Xu nimmt dabei Europa in die Pflicht: "Niemand sagt, dass ein Ökosystem für Endkunden in Europa zwangsläufig nur von Huawei kommen muss. Die EU-Staaten sprechen seit Jahren von digitaler Souveränität. Warum bauen sie dann nicht ein eigenes Ökosystem für smarte Endgeräte auf?"

Huawei würde dieses benutzen. Dieses europäische Ökosystem könnte die Open-Source-Systeme Android OS und das Huawei-Betriebssystem Harmony OS als Grundlage benutzen und zudem für US-Applikationen offen sein.

Dies ist keine komplette Illusion, denn Huawei habe darüber bereits mit europäischen Firmen gesprochen. Namen will Xu aber keine nennen. Details sollen "bis zum Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres" fixiert werden.

Hintergrund

Die US-Regierung hatte Huawei Mitte Mai unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt. Damit dürfen amerikanische Unternehmen – auch etwa Google und Chip-Zulieferer – nur mit spezieller Erlaubnis Geschäfte mit Huawei machen. Die Blockade wurde zwar ausgesetzt – aktuell bis Mitte November. Google darf aber nur bereits im Markt eingeführte Modelle weiter mit Updates versorgen – das Mate 30 ist dagegen ein neues Gerät, für das der Aufschub der Blockade nicht gilt. (red, 17.11.2019)