Noch Anfang Juli hieß der Tanker Grace 1 und wurde von der britischen Marine in Gibraltar festgesetzt.

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Beirut – Der iranische Öltanker Adrian Darya-1 hat bei seiner Fahrt durch das Mittelmeer offenbar das Signal ausgeschaltet, mit dem er geortet werden kann. Das letzte Signal stammt nach Angaben des Informationsdiensts Marine Traffic von Montag, 17.53 Uhr MESZ. Zu diesem Zeitpunkt lag der Tanker rund 85 Kilometer vor der Küste des Libanon und Syriens. Zu seinem Zielort gibt es keine Angaben.

Am 4. Juli war der Tanker, damals noch unter dem Namen Grace 1, von der britischen Marine in Gibraltar festgehalten worden. Grund dafür war der Verdacht, unter Verstoß gegen EU-Sanktionen Öl nach Syrien zu liefern. Das verschärfte die Spannungen im Atomstreit mit dem Iran, der als Vergeltung zwei Wochen später einen britischen Tanker wegen angeblicher Verstöße gegen das Seerecht festsetzte.

Experten vermuten eine Übergabe der Ladung auf See

Die Behörden im britischen Überseegebiet Gibraltar gaben den iranischen Tanker am 15. August frei, nachdem sie aus Teheran Zusicherungen erhalten hatten, dass das Schiff seine 2,1 Millionen Barrel Öl nicht in Syrien löschen werde. Wenige Tage später teilte der Iran ohne nähere Details mit, dass die Ladung verkauft worden sei. Inzwischen hat der Tanker mindestens dreimal seinen Kurs geändert. In Branchenkreisen wurde vermutet, dass eine Übergabe der Ladung an ein anderes Schiff auf See geplant sein könnte.

Zuletzt war das Schiff in Richtung der türkischen Stadt İskenderun unterwegs, die nur 30 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegt. Türkischen Medien zufolge schien das Schiff aber in Richtung Libanon unterwegs zu sein. US-Außenminister Mike Pompeo behauptet indessen auf Twitter, aus verlässlichen Quellen zu wissen, dass die Adrian Darya-1 zur syrischen Hafenstadt Tartus unterwegs sei – obwohl der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif versprochen hatte, dass das Schiff nicht Syrien ansteuern werde. "Ich hoffe, es ändert seinen Kurs", schrieb Pompeo auf Twitter. "Es war ein großer Fehler, Zarif zu vertrauen."

US-Außenminister Mike Pompeo behauptet, das Ziel des verschwundenen Tankers aus verlässlichen Quellen zu kennen.

Die USA haben andere Staaten gewarnt, eine Unterstützung des Schiffes als Unterstützung einer Terrororganisation zu erachten. Sie gehen davon aus, dass der Tanker den iranischen Revolutionsgarden gehört, die von den USA als Terrororganisation eingestuft werden. US-Präsident Donald Trump will den Iran mit Sanktionen unter anderem im Ölgeschäft zu einem strengeren Atomabkommen zwingen. (Reuters, 3.9.2019)