Amazon liefert seine Pakete teilweise selbst. DHL hat laut einem Mitarbeiter Angst, dass es den US-Riesen verärgern könnte.

Foto: ap/lennihan

Amazons Marktmacht ist gigantisch. Hierzulande leiden vor allem Buchhändler darunter, seit vergangenem Jahr aber auch die Post. Seitdem Amazon in Wien selbst ausliefert, hat sie einen großen Teil ihres Geschäfts verloren. Ähnlich dürfte es dem Paketdienst DHL gehen, der so abhängig von dem US-Konzern ist, dass er nun Pakete anderer Kunden liegen lässt, um Amazon-Produkte zuzustellen. Aufgrund hoher Zustellmengen und zu weniger Fahrer komme es nämlich zu Verzögerungen, den Großkunden wolle man trotzdem unter keinen Umständen verärgern, berichtet die "Welt".

Unterbesetzt

Rollbehälter voller Sendungen würden laut einem Mitarbeiter immer wieder nur hin und hergeschoben, was auch dazu führe, dass gelegentlich eine Sendung verloren gehe. Täglich seien rund 80 Touren notwendig. Mindestens zehn Fahrer zu wenig seien in seiner Region angestellt. Amazon selbst stellt die Firmen weiter unter Druck – eben mit eigenen Zustellern.

Amazons Marktmacht trifft zahlreiche Branchen. Vor allem für den Einzelhandel hat der Vorstoß des US-Konzerns desaströse Konsequenzen. Während Amazon schwarze Zahlen schreibt, musste in den USA der Kleiderkonzern Macy's von 2005 bis 2016 Verluste von rund 30 Milliarden Dollar einstecken.

"Tod durch Amazon"

Etwa der US-Marktanalyst Bespoke Investment Group hat aus diesem Grund einen "Tod durch Amazon"-Index erstellt, bei dem der Börsenwert von 54 bedrohten Unternehmen, primär aus dem Einzelhandel, seit 2012 beobachtet wird. Amazons Wert stieg bis Anfang 2018 um über 550 Prozent, jener der Unternehmen nur um rund 40 Prozent. "Business Insider" macht das Unternehmen für den Tod von Einkaufszentren verantwortlich. (red, 4.9.2019)