Die riesigen Frachter verbrauchen riesige Mengen an klimafeindlichem Treibstoff.

Foto: AP/Eric Risberg

Im Durchschnitt wird für jeden Erdbewohner einmal jährlich eine Tonne an Konsumgütern mit einem Frachtschiff transportiert. In Summe macht das rund sieben Milliarden Tonnen an Gewicht, transportiert von 45.000 Frachtschiffen, die auf ihrer Reise jährlich mehr als 850 Millionen Tonnen CO2 in die Luft ballern. Zudem sind diese Megafrachter für rund 13 Prozent der globalen Schwefeldioxid- und 15 Prozent der Stickoxid-Emissionen verantwortlich. Dank politischen Drucks muss bis nächstes Jahr wenigstens der Schwefelanteil im Treibstoff auf 0,5 Prozent gesenkt werden. Zum Vergleich: Der bisherige Wert überschritt den Grenzwert für üblichen Tankstellendiesel um das 3.500-Fache.

An einer Senkung des Kraftstoffverbrauchs müssten Reedereien, Firmen und alle Menschen eigentlich gleichermaßen Interesse bekunden. Ideen gibt es viele, nur durchzusetzen vermochte sich bisher keine so richtig. Das spanische Start-up Bound4Blue bringt mit seinem innovativen Konzept aber neuen Schwung in die Diskussion über die Schiffsemissionen. Dank sogenannter "Wingsails" will man sowohl Kraftstoffverbrauch als auch Schadstoffemissionen um bis zu 40 Prozent senken. Die Technik haben sich die drei Gründer – selbst Luftfahrtwissenschafter – von Flugzeugtragflächen abgeschaut.

Das Bound4Blue-Konzept.
Brand Minds Europe

Die faltbaren Windsegel klappen bei Stürmen problemlos automatisch ein, drehen sich im Normalbetrieb in die passende Position und sind auf fast allen gängigen Schifffahrtsmodellen nachjustierbar. Sie sollen zudem platzsparend sein, sodass kaum auf zusätzliche Container verzichtet werden muss. Auch muss keines der Crewmitglieder besonders eingeschult werden, heißt es von der Firma. Nach gerade einmal fünf Jahren soll sich die Anschaffung amortisiert haben, versichert das Unternehmen.

Prototypen im Test

Wie "Reset" berichtet, werden Prototypen des Konzepts derzeit an einem 20 Meter langen Fischerboot, einem Handelsschiff und einem Massengutfrachter getestet. Laut Bound4Blue-Mitgründerin Cristina Aleixendri Muñoz will man bis 2025 gar auf "mehr als 100 Projekte pro Jahr" aufstocken.

Das Norsepower-Konzept.
Norsepower Ltd

Auch die Firma Norsepower versucht es seit geraumer Zeit mit zylindrischen Segeln, die per Windkraft einen Elektromotor an Bord antreiben. Andere Konzepte, etwa die Zugdrachen-Konstruktion der Firma Air Seas, versuchten sich an 1.000-Quadratmeter-Segeln, die in 100 Metern Höhe die Starkwinde auf hoher See nutzen sollten. Andere Unternehmen wie Sky Sails mit ähnlichen Ideen schlitterten jedoch bereits in die Insolvenz.

Sky Sails segelte in die Insolvenz, weil das Segel teuer und der Ölpreis niedrig war.
Beluga Group

Auch Solarenergie kommt nur in Hybridlösungen infrage, weil die Sonnenkraft alleine ob der begrenzten Fläche meist nicht ausreicht für ein schnelles Vorankommen. Dennoch versuchen manche Unternehmen bereits den Schritt zu vollautonomen Schiffen mit elektrischem Antrieb. Die Yara Birkeland etwa soll für rund 100 Container Platz bieten und bereits im nächsten Jahr mit rund 18 km/h und einer Reichweite von 120 Kilometern kürzere Strecken ausschließlich elektrisch zurücklegen.

Die Yara Birkeland soll 2020 autonom fahren.
Yara International

Auch deshalb, weil sich ganz allgemein in der Frachtschiffindustrie in den vergangenen Jahren nur langsam ein Bewusstsein für notwendigen Umweltschutz einstellte, sind wirklich bahnbrechende Umwälzungen nicht sehr schnell abzusehen. Eine dänische Reederei entwickelte zuletzt ein umweltfreundlicheres und rentableres, weil breiteres und letzten Endes effizienteres Schiff – dennoch dominieren nach wie vor alte, mit fossilen Brennstoffen betriebene Frachtschiffe die Weltmeere. (faso, 4.9.2019)