Die Jagd nach Likes soll ein Ende haben – oder zumindest im Verborgenen ablaufen. Welche Folge die Abschaltung öffentlich sichtbarer Bewertungen hat, könnte nach Instagram nun auch die Konzernmutter Facebook testen.

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Menlo Park – Facebook wird möglicherweise künftig nicht mehr die Anzahl der Likes öffentlich anzeigen. Ein Konzernsprecher bestätigte am Dienstag, dass diese Reform erwogen werde, und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Zuvor hatte die Bloggerin Jane Manchun Wong einen ensprechenden, noch nicht aktivierten Code bei Facebook entdeckt. Bei der Facebook-Tochter Instagram wird bereits in sieben Ländern mit einer Abschaffung der öffentlichen Anzeige der Likes-Zahlen experimentiert.

Das Unternehmen argumentiert mit Ergebnissen aus der psychologischen Forschung. Die Zahl der Likes ist unter den Nutzern ein Statussymbol, die Messung der Likes erzeugt aber auch bei vielen den Druck, Inhalte mit potenziell möglichst hohem Popularitätswert einzustellen. Das könne auch zu Suchtverhalten beitragen, wie Ergebnisse belegen. Facebook war, mit anderen Internet-Giganten wie Google und Twitter, zuletzt dafür in die Kritik geraten, Mechanismen einzusetzen, um die Userinnen und User möglichst lange am Bildschirm zu halten. Zudem kann es beim Ausbleiben von Likes zu depressionsähnlichen und tatsächlich depressiven Zuständen führen.

"Aufmerksamkeit auf Inhalte"

Eine US-Studie des "Pew Research Center" aus dem Jahr 2018 fand heraus, dass fast 40 Prozent der Jugendlichen auf Instagram sich unter Druck setzten, nur Inhalte zu veröffentlichen, von denen sie sich möglichst viele Reaktionen erwarten.

Instagram testet derzeit in mehr als einem halben Dutzend Ländern – Kanada, Irland, Italien, Japan, Brasilien, Australien und Neuseeland – das Modell, wonach nur noch der Inhaber des jeweiligen Kontos die Zahl seiner Likes sehen kann, nicht aber die anderen Nutzer. Die möglichen negativen Folgen wie Sucht- und Depressionsgefahr erwähnte die Firma nicht unmittelbar. Nach den Worten von Instagram-Vertretern gehe es vor allem darum, dass die Nutzer ihre Aufmerksamkeit stärker auf die Inhalte selbst richten sollen – und nicht darauf, wieviele Likes eine Veröffentlichung in den Netzwerken bekommen könnte oder schon bekommen hat.

Firmen nicht betroffen

Der Konzern gab nicht bekannt, wie lange die Testphase dauern soll. Die Messinstrumente, mit denen Unternehmen die Reichweite ihrer Werbung auf Instagram messen, seien demnach nicht von der Änderung betroffen. Betroffen sind davon nur private User, Likes von Firmen bleiben weiterhin sichtbar.

Vor einer Woche hatte Instagram angekündigt, Hasskommentare mithilfe von künstlicher Intelligenz bekämpfen zu wollen. In den vergangenen Jahren hatten Studien über den Einfluss von Online-Netzwerken gezeigt, dass Instagram eine negative Wirkung auf die mentale Gesundheit seiner Nutzer haben kann. (APA, red, 4.9.2019)