In der FPÖ machen die meisten gar kein Hehl aus den "Herausforderungen" an der Führungsspitze. Wie das Verhältnis zwischen Norbert Hofer und Herbert Kickl ist? "Eh gut", "kennen einander schon lange" oder "professionell" sagen Freiheitliche aus ihrem Umfeld. Bedeutet: Ein in Freundschaft verbundenes Team sind die zwei langjährigen blauen Chefideologen nicht. Tobt hinter den Kulissen ein offener Machtkampf, wie immer wieder geschrieben wird? Nein. Aber die sensible innerparteiliche Machtbalance ist seit dem abrupten Abgang Heinz-Christian Straches noch nicht austariert – und die Rollen sind nicht klar verteilt.

Norbert Hofer und Herbert Kickl lassen sich am Bundesparteitag der FPÖ am 14. September zu Parteichef und Vize wählen.
Foto: Reuters / Lisi Niesner

Am Mittwoch ließ der designierte Parteichef Hofer über die "Kronen Zeitung" ausrichten, dass er sich am Bundesparteitag am 14. September mit mehr Macht ausstatten lassen möchte. Eine Statutenänderung soll ihm ein Durchgriffsrecht für Parteiausschlüsse bei "rechten Ausrutschern" von FPÖ-Mitgliedern bringen. "Wenn etwas passiert, muss sofort reagiert werden können", erklärt Hofer den Schritt. Nachsatz: "Ich will der Partei meinen Stempel aufdrücken."

Wer hat das Sagen?

Das wird auch in der Partei als Ansage in Richtung Kickl interpretiert. Hofer will unmissverständlich klarmachen, wer hier der Chef ist, wer entscheidet, wer bestimmt. "Es ist vor allem ein Signal nach innen", sagt ein Freiheitlicher. Denn Fakt ist: In der Wahlkampagne treten die beiden als Doppelspitze auf. Hofer ist auf Plakaten der freundliche Mann für Heimatliebende. Kickl wird mit eher finsterem Blick und Sicherheitsthemen affichiert. Im Parlament teilen sich die beiden den Chefposten tatsächlich: Hofer ist Klubobmann, Kickl fungiert als geschäftsführender Klubchef.

"Hofer ist das Opfer von Kickls Strategie im Wahlkampf", findet ein blauer Stratege. Denn natürlich brauche die freiheitliche Partei nicht nur ein freundliches Gesicht, sondern müsse auch Härte zeigen können. "Strache hat beide Rollen vereint. Hofer könnte schon auch einmal ungut sein, aber er ringt derzeit darum, dass er in der Partei für alles stehen darf." Und viele in der FPÖ sind überzeugt: Kickl würde sich in der Rolle des Chefs auch gut gefallen.

Das Verhältnis der beiden Chefstrategen ist nach außen hin harmonisch.
Foto: Reuters / Lisi Niesner

Die Unklarheiten resultieren auch daraus, dass Hofer – zumindest bis vor kurzem – eigentlich Bundespräsident werden wollte. Tritt er als harter FPÖ-Chef auf, der auch die rechte Stammwählerschaft abholen soll, verliert er an Mehrheitsfähigkeit. Das wäre bei einer Präsidentschaftskandidatur ein großer Nachteil.

Die Präsidentschaftsfrage

Allerdings gehen viele inzwischen davon aus, dass Alexander Van der Bellen noch einmal antritt. Und gegen den amtierenden Präsidenten, der noch dazu hohe Beliebtheitswerte genießt, werden Hofer kaum Chancen zugebilligt. Somit wird der Chefsessel in der Partei für Hofer auch langfristig immer interessanter.

Kickl wurde in politischen Analysen hingegen jahrzehntelang nachgesagt, er sei der stille Stratege im Hintergrund, der die große Bühne nicht sucht. In der FPÖ werden die Ambitionen des früheren Generalsekretärs schon länger anders bewertet. Zum Innenminister habe man ihn zwar drängen müssen, erzählt ein Freiheitlicher, der damals nah dran war. "Aber dass er eigentlich der beste Parteichef wäre, davon ist er schon länger überzeugt."

Präsidentschaftskandidat oder Parteichef? Die Karriereplanung Hofers ist für seine politische Ausrichtung essenziell.
Foto: Reuters / Lisi Niesner

"Stabile 15-Prozent-Partei"

Warum dennoch kein Machtkampf tobt? "Kickl weiß, dass er die FPÖ braucht, um stark zu sein. Er würde die Partei nie in Gefahr bringen, gespalten zu werden", sagt ein Blauer. Und der Kampagnenprofi, der bereits für Jörg Haider gearbeitet hat, könne genau abschätzen, wann wofür der richtige Zeitpunkt ist. Darüber hinaus habe sich Kickl insbesondere in seiner Zeit als Innenminister ein hartes Image zugelegt. Er sei der perfekte Mann, um Stammwähler zu mobilisieren, doch darüber hinaus sei seine Strahlkraft begrenzt. "Mit ihm wäre die FPÖ eine stabile 15-Prozent-Partei", glaubt der FPÖ-Stratege. (Katharina Mittelstaedt, 4.9.2019)