Hackerangriffe auf Politiker und Parteien kommen regelmäßig vor.

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Hackerangriffe wie jene auf die ÖVP-Parteizentrale sind, wenngleich ein eher junges Phänomen, international keine Seltenheit mehr. Laut Experten werden sie teilweise durch Leichtsinn – wenn etwa gleiche Passwörter für mehrere Dienste oder unverschlüsselte Services verwendet werden – ermöglicht. Oft sind aber auch sensible Computernetzwerke unzureichend geschützt.

In vielen Fällen vermuten die betroffenen Staaten ausländische Geheimdienste bzw. "staatliche Akteure" hinter den Attacken, gerne werden Russland und China genannt. Insbesondere vor Wahlen sind neben Cyberangriffen auch Fake News und Meinungskampagnen ein großes Thema. Auch hier ist Russland immer wieder unter den Verdächtigen.

Im Folgenden ein Überblick über Attacken der vergangenen Jahre in ausgewählten Ländern:

Österreich

Bereits vor der Nationalratswahl 2017 war die ÖVP-Homepage nach einem Hackerangriff kurzzeitig nicht erreichbar. Im Jahr davor wurden die Websites des Parlaments und verschiedener Ministerien Opfer sogenannter DDoS-Attacken ("Distributed Denial of Service"). Dabei werden Websites oder Programme mit so vielen Anfragen überschüttet, bis die Dienste schließlich ausfallen.

Im Juli 2011 wurden die Homepages von SPÖ und FPÖ von Hackern attackiert. Statt der Startseite war über Stunden das Logo der Hackergruppe "Anonymous" sichtbar.

Australien

Nur wenige Wochen vor der Parlamentswahl wurden heuer im Februar drei der wichtigsten Parteien Australiens sowie das Parlaments von Hackern angegriffen. Experten gehen davon aus, dass nur ein fähiger staatlicher Akteur hinter dem Angriffsversuch stecken kann. Als Hauptverdächtiger wurde China genannt, aber auch eine Täterschaft Russlands wurde nicht ausgeschlossen.

Deutschland

Anfang des Jahres sorgte ein groß angelegter Hackerangriff in Deutschland für Aufregung. Über Twitter wurden massenhaft sensible Daten von Prominenten und Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien – außer der rechtspopulistischen AfD – veröffentlicht.

Bereits 2015, 2016 und 2018 wurden Seiten des Deutschen Bundestags, die CDU-Zentrale in Berlin bzw. das Datennetz der deutschen Regierung gehackt, Mitglieder der Sofacy-Gruppe (auch unter dem Namen APT28 oder Fancy Bear bekannt) werden dahinter vermutet. Experten glauben, dass die Angriffe von staatlichen Stellen in Russland gesteuert wurden.

Frankreich

Kurz vor der Präsidentenwahl in Frankreich 2017 kam es zu einem Hackerangriff auf das Lager von Emmanuel Macron. Zahlreiche interne Dokumente des Wahlkampfteams von "En Marche!" wurden ins Internet gestellt. Die gestohlenen Daten wurden insbesondere von extrem rechten US-Aktivisten und der Plattform WikiLeaks verbreitet. Wer hinter dem Angriff steckt, ist aber noch nicht geklärt.

Im gleichen Jahr wurden etwa 100 Cyberattacken auf das Verteidigungsministerium in Paris verübt. 2018 erbeuteten Hacker bei einem französischen Bauunternehmen Dokumente zu Atomanlagen, Gefängnissen und Straßenbahnnetzen.

Lettland

Ein Hackerangriff am Tag der Parlamentswahl in Lettland sorgte im Oktober 2018 für Aufregung in dem baltischen Land. Den Nutzern eines beliebten Online-Netzwerkes wurden eine prorussische Botschaft und Fotos russischer Soldaten gezeigt. Zuvor soll es auch Angriffe auf mehrere Ministerien und andere staatliche Institutionen – teilweise über Jahre hinweg – gegeben haben. Riga macht Russland dafür verantwortlich.

Tschechien

Auch das tschechische Außenministerium wurde wiederholt Ziel eines Hackerangriffs. Das Amt für Cybersicherheit in Prag vermutete dahinter eine fremde Staatsmacht. Über ein Jahr lang sollen 2016/207 Tausende Dokumente und E-Mails geleakt worden sein.

Slowakei

Im Oktober vergangenen Jahres wurde auch das slowakische Außenministerium Opfer einer umfangreichen Cyberattacke. Der Angriff sei "vom Ausland aktiviert" worden, meinte Ministerpräsident Peter Pellegrini damals. 2014, nur wenige Stunden vor der entscheidenden Präsidentenstichwahl, war die offizielle Website des Kandidaten Robert Fico zur Zielscheibe eines Hackerangriffes geworden.

Spanien

Das Intranet des spanischen Verteidigungsministeriums wurde heuer im März von Hackern angegriffen. Hinter der komplexen Attacke soll ein ausländischer Staat stecken.

Ukraine

Vor allem vor der Präsidentenwahl in diesem Jahr gab es nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes zahlreiche Hackerangriffe auf ukrainische Behörden und Ministerien. Experten zufolge hatte Russland seit längerer Zeit versucht, Einfluss auf das Wahlergebnis zu nehmen. Moskau weist den Vorwurf der versuchten Wahlmanipulation zurück.

USA

Die USA beschuldigen Russland, durch Cyberangriffe und Propaganda Einfluss auf die Präsidentenwahl 2016 genommen zu haben. Die Vorfälle führten zu einer diplomatischen Eiszeit zwischen Washington und Moskau. WikiLeaks-Veröffentlichungen hatten Donald Trumps demokratischer Rivalin Hillary Clinton vor der Wahl schwer zugesetzt. Später wurde Robert Mueller als US-Sonderermittler eingesetzt, um mögliche Verbindungen Trumps bzw. seines Teams zu russischen Stellen zu untersuchen. Nach jahrelangen Untersuchungen hielt Mueller kürzlich fest, dass es zwar Kontakte Russlands mit dem Trump-Lager gab. Es gibt aber keine Beweise für eine Straftat.

Im Jänner 2015 verschafften sich Hacker Zugang zum Twitter- und YouTube-Konto des US-Zentralkommandos Centcom mit Sitz in Tampa (Florida). Centcom koordinierte unter anderem die Luftschläge gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). 2012 legten Hacker für mehrere Stunden die Website des US-Geheimdienstes CIA lahm.

Wegen "Hackerangriffen" wurde auch der Gründer der Aufdeckerplattform WikiLeaks, Julian Assange, in den USA angeklagt. Ihm wird zur Last gelegt, 2010 Regierungscomputer attackiert und geheime Dokumente von US-Militärrechnern heruntergeladen zu haben.

Firmen, Banken und Internationale Organisationen

Auch Firmen, Banken und internationale Organisationen sind immer wieder Opfer von Hackerangriffen. Erst Mitte August gelang es Hackern, Schadsoftware in die Netzwerke der Europäischen Zentralbank (EZB) einzuschleusen. Ein im Oktober 2018 vereitelter Hackerangriff auf die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag brachte Russland international an den Pranger.

Ende 2018 wurden der Hotelkette MARRIOTT Daten von bis zu einer halben Milliarde Gäste der Tochtermarke Starwood gestohlen – einer der größten Hackerangriffe der Geschichte. Im Mai 2017 legte ein Angriff weltweit Computer lahm – der Automobilkonzern Renault musste Werke schließen, die Deutsche Bahn, der spanische Telefon-Riese Telefonica sowie Ministerien, Banken und Eisenbahn in Russland waren betroffen. Europol spricht von einem Hackerangriff "beispiellosen Ausmaßes".

Ende 2016 wurde die in Wien ansässige Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) Opfer eines "groß angelegten Hackerangriffes", laut Medienberichten steckte auch hier das russische Hackerkollektiv APT28 hinter der Attacke. Im März 2014 wurden mehrere Internetseiten der NATO stundenlang durch Hackerangriffe lahmgelegt. 2011 wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) Opfer einer Cyberattacke. Ebenfalls 2014 wurden beim Internet-Riesen Yahoo bei einem Hackerangriff Daten von mindestens 500 Millionen Nutzern erbeutet. (APA, 5.9.2019)