Wladimir Zemach im Gerichtssaal, 5. September 2019.

Foto: AP/Volodymyr Hontar

Kiew – 40 EU-Abgeordnete wollen mit einem offenen Brief verhindern, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einem Gefangenenaustausch zustimmt, der auch Wladimir Zemach, einen Verdächtigen im Fall MH17, betrifft. Zemach war am 27. Juli von Agenten des ukrainischen Geheimdienstes in seiner Heimatstadt Snischne entführt worden.

Staatsanwalt Fred Westerbeke, der die niederländischen Ermittlungen zum Absturz der Boeing 777 der Malaysia Airlines am 17. Juli 2014 über der Ostukraine leitet, hat Selenskyj aufgefordert, Zemach nicht nach Russland ausreisen zu lassen, bevor er von seinem Joint Investigation Team (JIT) einvernommen wurde.

Zemach war zum Tatzeitpunkt Kommandant einer Luftabwehreinheit der Rebellen im Donbass, wie er selbst in einer 2015 veröffentlichten und nach dem 9. Juli gelöschten Dokumentation erklärte. Die Maschine stürzte ab, nachdem sie von einer Luftabwehrrakete getroffen worden war, alle 298 Insassen des Flugs MH17, darunter 196 Niederländer, kamen ums Leben.

Eine Kopie des gelöschten Videos. Zemach spricht ab Minute 5.
bellingcat

Am Donnerstag ordnete ein Gericht Zemachs Freilassung an. Der Richter in Kiew verfügte allerdings, dass er im Land bleiben und weiter an seinem Prozess teilnehmen müsse. Er muss jedoch keine elektronische Fußfessel tragen, weshalb befürchtet wird, dass er untertauchen könnte.

Putin: Austausch demnächst

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte am Donnerstag bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok, der Gefangenenaustausch stehe unmittelbar bevor. "Wir nähern uns dem Abschluss der Verhandlungen", sagte Putin. Der Gefangenenaustausch sei "großangelegt", und der genaue Zeitpunkt werde "bald" bekanntgegeben.

Dies werde "ein großer Schritt hin zur Normalisierung" der Beziehungen zwischen Moskau und Kiew sein, fügte Putin hinzu. "Das ist unvermeidbar", fügte der russische Präsident hinzu. "Wir sind zwei Teile desselben Volkes." Es war das erste Mal, dass sich Putin in der Öffentlichkeit direkt zu einem möglichen Gefangenenaustausch mit der Ukraine äußerte. Namen der betroffenen Häftlinge nannte er nicht.

Medienberichten zufolge laufen die Planungen für den Austausch von jeweils rund 30 Gefangenen auf beiden Seiten schon seit Wochen. (red, APA, AFP, 5.9.2019)