Ist mal weg.

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Toni Giger (56) sieht trotzdem ein gutes österreichisches Team.

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Andreas Puelacher (55) sieht die Zeit für andere gekommen.

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Salzburg/Wien – Es herrscht Einigkeit im Land und auch über die Grenzen hinaus: Ein Marcel Hirscher ist nicht zu ersetzen. Nun müsse die Erwartungshaltung heruntergeschraubt werden. Dennoch wird die Apokalypse im Herren-techniksektor ausbleiben. Die von den Erfolgsgeschichten der Ära Hirscher beglückte Skination wird auch künftig wieder Gelegenheiten vorfinden, enthusiasmiert aufzuspringen. So hoffen es jedenfalls nicht nur die Verantwortlichen im Skiverband. Neo-Sportdirektor Toni Giger ist bemüht, die Expertise des am Mittwoch zurückgetretenen Salzburgers in den ÖSV einfließen zu lassen. "Jetzt wird es darauf ankommen, diese Qualitäten, die Hirscher mit seinem Team gelebt hat, in unsere anderen Mannschaften zu implementieren, den Hirscher-Turbo reinzubringen." Diesbezüglich hofft der 56-Jährige – weniger über kurz, sondern eher über lang – auf die Unterstützung des berühmtesten Lammertalers und seines als ebenso akribischen Tüftler bekannten Vaters Ferdinand. Grundsätzliche Gespräche fänden schon seit längerem statt. Zunächst solle Hirscher aber erst einmal "durchschnaufen und zur Ruhe kommen".

Neues Spiel, neues Glück

Die in den vergangenen acht Jahren mit Bravour distanzierte Konkurrenz scharrt derweil bereits in den Startlöchern. Die Aspiranten auf den Gesamtweltcup ortet Giger in Norwegen und Frankreich. Herrencheftrainer Andreas Puelacher weiß, dass das mit dem Rücktritt der "Galionsfigur" entstandene Loch relativ schwer zu füllen sein wird, doch er übt sich in Zweckoptimismus: "Das ist die Chance für andere." Im Gesamtweltcup sei man nun Außenseiter. Die Favoriten? "Alexis Pinturault und Henrik Kristoffersen. Stark mitmischen könnte auch Marco Odermatt, weil er viele Disziplinen abdeckt." Puelacher sieht nun den Druck auf anderen Schultern lasten: "Das schaue ich mir jetzt genüsslich von der anderen Seite an."

Schwachstelle Riesentorlauf

Die arbeitsintensivste Baustelle gibt es in der diffizilsten Disziplin, im Riesentorlauf. Giger: "An der Mannschaftsstärke müssen wir in dieser Sparte nach dem Rücktritt von Hirscher arbeiten, es gab vergangene Saison Rennen, in denen er alles abgedeckt und die Mannschaft nicht so gut reüssiert hat." Puelacher: "Ich bin guter Dinge, vorne haben wir Manuel Feller." Der Vizeweltmeister von Sankt Moritz 2017, Roland Leitinger, und Stefan Brennsteiner seien zudem von Verletzungen zurückgekommen, "sie sind fit. Junge drängen nach."

Hoffnung Schwarz

Geduld sei im Fall von Marco Schwarz, dem dreifachen Medaillengewinner bei der WM in Are, gefragt. Ihm müsse man nach dem Kreuzbandriss Zeit geben. "Ich möchte keine Prognose abgeben, bei ihm reden wir momentan über therapeutisches Skifahren für den Kopf, auch um wieder ein Gespür für den Schnee zu kriegen." Das Dabeisein helfe, die Kraftkammer mache Schwarz nur bedingt Spaß.

Soloprogramm

Viel mehr Grund zum Gaudium hatte die Skination mit den Erfolgen von Hirscher, der in den vergangenen fünf Saisonen allein 44 von 64 ÖSV-Siegen eingefahren hat. Weil auch vier Doppelsiege dabei waren, bleiben 24, für die nicht der Salzburger verantwortlich zeichnete. Für den im Sommer von Giger abgelösten Sportdirektor Hans Pum kam der Rücktritt des 30-Jährigen völlig überraschend. " Einen Hirscher – ein Vorbild für alle Menschen, dass man mit Konsequenz etwas erreichen kann – schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel, aber es werden sich wieder welche ins Rampenlicht fahren." Hirscher habe 24 Stunden pro Tag mit Leidenschaft und Perfektion für den Skisport gelebt und nichts dem Zufall überlassen. Diese intensive und belastende Zeit sei an die Substanz gegangen. "Außergewöhnlich, was er geleistet hat." Auch Pum hofft, dass Hirscher sein Wissen und seine Erfahrung an den Skisport weitergibt. ORF-Experte Thomas Sykora sieht den Rücktritt eher pragmatisch, ja supranational: "Es haben auch Ingemar Stenmark, Hermann Maier und Alberto Tomba aufgehört. Das ist der Lauf der Zeit. Natürlich verliert der Weltcup einen Riesenstar, das Zugpferd schlechthin. Vielleicht heißt der nächste Henrik Kristoffersen." (Thomas Hirner, 5.9.2019)