Schüler bildeten eine Menschenkette als Zeichen der Solidarität mit der Protestbewegung

Foto: REUTERS/AMR ABDALLAH DALSH

Hongkong/Peking – Nach einem erneut gewaltsamen Protestwochenende in Hongkong warnt die chinesische Regierung die Demonstranten eindringlich vor weiteren Eskalationen. Die ehemalige britische Kronkolonie sei ein untrennbarer Teil der Volksrepublik, schrieben staatliche Medien am Montag. Jede Art von Abspaltungsversuch werde "zerquetscht".

Die Demonstranten sollten aufhören, die Geduld der Zentralregierung auf die Probe zu stellen, hieß es in "China Daily". Die Kundgebung vom Sonntag beweise, dass ausländische Kräfte hinter den Protesten steckten. Tausende Demonstranten hatten dabei US-Präsident Donald Trump vor dem US-Konsulat in der chinesischen Sonderverwaltungszone dazu aufgerufen, Hongkong "zu befreien".

Aktivist Joshua Wong besucht Deutschland

Ungeachtet der Warnung zeigten hunderte Schüler am Montag Solidarität mit der Protestbewegung. In mehreren Stadtteilen bildeten sie Menschenketten. Die Regierungsgegner fordern unter anderem die Freilassung aller festgenommenen Demonstranten.

Für internationale Aufmerksamkeit sorgt der Fall des Aktivisten Joshua Wong, eines der bekanntesten Bürgerrechtler. Er war nach eigenen Angaben am Wochenende auf dem Flughafen festgenommen worden. Die Polizei habe ihm einen Verstoß gegen Kautionsauflagen vorgeworfen, schrieb er auf Twitter. Am Montagmorgen wurde der 22-Jährige wieder freigelassen und flog nach Deutschland, wo er als Ehrengast an einem von der "Bild"-Zeitung organisierten Fest im Reichstagsgebäude in Berlin teilnehmen soll.

China verärgert über Treffen von Maas mit Wong

Im Zuge des Deutschland-Besuchs kam es am Montagabend zu einer Begegnung des Bürgerrechtlers mit dem deutschen Außenminister Heiko Maas. Wong ließ sich mit Maas fotografieren und erklärte, dass Hongkong ein Bollwerk zwischen der freien Welt und der "Diktatur Chinas" sei. Er zog Parallelen zwischen der friedlichen Wiedervereinigungsbewegung in Deutschland und dem Freiheitskampf in Hongkong. "Wenn wir in einem neuen Kalten Krieg sind, dann ist Hongkong das neue Berlin", sagte Wong.

China reagiert verärgert auf die Begegnung Wongs mit Maas. Außenministerin Hua Chunying sagte am Dienstag sie sei "extrem unzufrieden und entschlossen gegen" das Treffen. Hongkong sei eine interne Angelegenheit und keine ausländische Regierung, Organisation oder Individuum habe das Recht sich einzumischen. Chunying erklärte außerdem, dass das chinesische Außenministerium bereits gegen das Treffen Beschwerde eingelegt habe.

Demonstranten beharren auf ihren Forderungen

In Hongkong wird bereits seit Monaten demonstriert. Auslöser war ein geplantes Gesetz, das es erlaubt hätte von China verdächtigte und gesuchte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat das Gesetz nach heftigen Protesten vergangenen Mittwoch zurückgezogen. Die Demonstranten bestehen allerdings darauf, dass neben ihrer Hauptforderung auch die vier weiteren Forderungen erfüllt werden. Denn sie fordern nicht nur, das Gesetz einzustampfen, sondern auch, dass die Regierung zurücktritt, beziehungsweise den Weg frei macht für freie Wahlen. Sie wollen die Polizeigewalt unabhängig untersuchen lassen, sie wollen, dass die Behörden aufhören, die Proteste als Krawalle zu bezeichnen – und diejenigen, die deshalb festgenommen wurden, wieder freigelassen werden. Es sollen schon mehr als 1000 Personen sein. (APA, Reuters, red, 9.9.2019)