Oliver Krischer will Geländewagen in deutschen Städten beschränken.

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Nach einem Unfall mit vier Toten in Berlin, in den ein Geländewagen involviert war, haben deutsche Politiker und Verkehrsexperten neue Regelungen für SUVs gefordert. "Wir brauchen eine Obergrenze für große SUVs in den Innenstädten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, dem "Tagesspiegel". "Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen."

Am Freitag war in Berlin-Mitte ein SUV bei einer Kreuzung von der Straße abgekommen und hatte auf dem Gehsteig einen drei Jahre alten Buben, seine 64-jährige Großmutter sowie zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren erfasst. Sie erlagen noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Die Mutter des Buben, die ein weiteres Kind dabeihatte, überlebte den Unfall. Die drei Insassen des Porsche Macan wurden schwer verletzt.

SUVs (Sport Utility Vehicles) boomen. Laut "Tagesspiegel" wurden in diesem Jahr erstmals über eine Million SUVs in Deutschland neu zugelassen, der Marktanteil werde auf ein Drittel steigen. Sie stehen schon länger in der Kritik, weil sie aufgrund ihres hohen Gewichts höhere CO2-Emissionen verursachen.

Krischer: "Gefahr für Fußgänger und Radfahrer"

"Die Autos brauchen immer breitere Parkplätze in Städten, wo der Raum immer knapper wird", sagt Krischer. "Sie sind eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer." Es brauche dringend eine Debatte, "wie groß die Autos denn noch werden sollen, die in unseren Innenstädten rumfahren". Als Beispiel führte er die Q8-Modelle von Audi und die X-7-Modelle von BMW an.

Passanten legten an der Unfallstelle Blumen und Kerzen nieder.
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City-Maut oder Parkverbot

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte im "Tagesspiegel" rasch umsetzbare Maßnahmen gegen SUVs: entweder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte für große, schwere Wagen sehr teuer mache, oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich höhere SUV-Parkgebühren in Städten.

"Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt", sagte der grüne Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, am Wochenende. Jeder Fahrfehler bedeute Lebensgefahr für Unschuldige.

"Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart", sagte dagegen der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Automobilclub ADAC hält nichts von SUV-Verboten. "Entscheidend für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist vielmehr das verantwortungsvolle Führen von Kraftfahrzeugen", teilte ein ADAC-Sprecher am Montag mit. Das gelte vor allem für die Faktoren angepasste Geschwindigkeit, Alkohol und Ablenkung. "Insofern lässt sich Unfallvermeidung nicht mit dem Verbot einer Fahrzeugklasse lösen, sondern durch mehr Rücksichtnahme."

Epileptischen Anfall als mögliche Ursache

Die Polizei ermittelt nach dem Unfall wegen fahrlässiger Tötung – wie üblich bei Verkehrsunfällen mit mindestens einem Toten. Nach ersten Hinweisen könnte aber ein epileptischer Anfall des Fahrers der Auslöser für den Unfall gewesen sein, wie die DPA aus Emittlerkreisen in Erfahrung bringen konnte. Ein Polizeisprecher wollte das aber weder bestätigen noch kommentieren.

Am Samstagabend kamen rund 500 Menschen zu einer Mahnwache an der Unfallstelle, auch am Sonntag legten Trauernde Blumen, Kerzen und Bilder nieder. (red, 9.9.2019)