ARD-Bericht spricht von Abschalteinrichtung auch bei neueren VW-Motoren

Der VW-Konzern dementiert den Bericht, wonach auch Motoren nach Euro-6-Abgasnorm über eine Software verfügen, die Abgaswert auf dem Prüfstand ändert

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VW dementiert Berichte, wonach auch in neuen Motoren eine Software verbaut sein könnte, die erkennt, ob sich ein Auto auf dem Prüfstand befindet.

Foto: APA / AFP / dpa / Julian Stratenschult

Stuttgart – Ein Bericht der ARD zum deutschen Abgasskandal sorgt für neue Aufregung rund um VW. Wie der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) am Donnerstag berichtet, soll auch in neueren VW-Dieselmotoren nach der Euro-6-Abgasnorm eine Software verbaut worden sein, die erkennt, ob ein Fahrzeug sich auf dem Prüfstand befindet. Das gehe aus vertraulichen Dokumenten des Konzerns hervor.

Volkswagen selbst dementiert das vehement. Bei den Motoren sei keine illegale Abschalteinrichtung eingebaut worden. Zu den vom SWR eingesehenen Dokumenten wollte man sich allerdings zunächst nicht konkret äußern, da es sich um vertrauliche Papiere handle.

Später erklärte ein VW-Sprecher, es sei nicht verboten, sogenannte "Fahrkurven" festzulegen. Dabei werden bestimmte Eigenschaften eines Autos so eingestellt, dass prinzipiell auch erkannt werden kann, ob es sich gerade in einem Prüfstandtest befindet. Diese Einstellungen dürften von Entwicklern aber nicht dazu genutzt werden, etwa die Abgassteuerung zu beeinflussen. Hinweise darauf, dass so etwas geschehen sein könnte, habe man nicht.

"Keine Zykluserkennung"

Im Zentrum der Berichts steht die Motorenreihe EA288, die seit dem Jahr 2012 in zahlreichen Autos des Konzerns verbaut wurde. Beim bisherigen Dieselskandal war es um die Vorgängerreihe EA189 gegangen. Laut SWR und "Tagesschau" wird in den vertraulichen Dokumenten eine "Zykluserkennung" beschrieben, über die auch die neue Motorengeneration verfüge.

Darunter wird jene Software verstanden, die erkennen soll, ob sich ein Auto auf dem Prüfstand oder in freier Fahrt befindet. Im Dieselskandal war es darum gegangen, dass Motoren diese Software nutzten, um auf dem Prüfstand, etwa durch das Einspritzen von Harnstoff zur Abgasreinigung, günstigere Werte zu erzielen, als sie im normalen Betrieb möglich gewesen wären.

VW bestreitet Bericht

Dass es eine solche Vorrichtung bei den Motoren der neuen Reihe gebe, weist VW laut dem Bericht dezidiert zurück: "Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA288, nach dem heute gültigen Abgasstandard EU6 in EU 28, enthalten keine Zykluserkennung." Aktuell laufen vor mehreren deutschen Gerichten Klagen von Autobesitzern, in deren Autos der neue EA288-Motor verbaut ist. Am Landgericht Wuppertal prüft soeben ein Gutachter, ob in den Triebwerken tatsächlich eine Software mit Abschalteinrichtung verbaut ist. Bis ein Ergebnis vorliegt, könnte es allerdings noch mehrere Monate dauern.

Bereits im Herbst 2015 war kurz nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals mit dem Motor EA189 im Zentrum der Verdacht aufgekommen, dass auch das neuere Aggregat EA288 von Manipulationen betroffen sein könnte. Schon damals kam VW "nach gründlicher Prüfung" zu dem Ergebnis, dass in beiden EA288-Varianten – mit Euro 6 und der früheren Abgasnorm Euro 5 – "keine Software verbaut ist, die eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Gesetzgebung darstellt". (red, APA, 12.9.2019)

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