Facebooks digitale Währung Libra wird von zahlreichen großen Unternehmen wie Mastercard, Paypal und Spotify unterstützt.

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Paris – Die allgemeine Kritik und Skepsis gegenüber der von Facebook geplanten Digitalwährung Libra hat in Frankreich am Donnerstag ihren bisherigen Höhepunkt erreicht: Finanzminister Bruno Le Maire erklärte, man dürfe Libra unter den aktuellen Bedingungen nicht zulassen. Die Einführung brächte Gefahren für das Finanzsystem und staatliche Souveränität. "Die Bedenken bezüglich Libra sind ernst. Unter diesen Umständen können wir die Entwicklung von Libra in Europa nicht genehmigen", sagt Le Maire bei einer Konferenz zu Kryptowährungen in Paris.

Zwischen Kritik und Chancen

Kürzlich hatte auch die Schweiz angekündigt, strenge Anforderungen an die Digitalwährung zu stellen. Das in Genf beheimatete Libra-Projekt würde eine Bewilligung als Zahlungssystem auf Basis des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes benötigen und wäre damit etwa den Bestimmungen betreffend Geldwäsche unterstellt, teilte die Aufsichtsbehörde Finma diese Woche mit.

Weltweit haben Notenbanken, Aufseher und Politiker starke Vorbehalte gegen Kryptowährungen. Im Juli forderte die Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G7), den höchsten Aufsichtsstandards genügen müssen und die Stabilität des Finanzsystems nicht gefährden dürfen.

Neben all den negativen Vorbehalten attestieren manche Experten dem Facebook-Projekt allerdings auch Chancen. Am deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) ortet man Vorteile für weniger entwickelte Staaten. "In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern wird die Zentralbank als verlängerter Arm der Regierung missbraucht, was zu Inflation, Währungsabwertung und realer Entwertung von Sparvermögen führt", sagt der Leiter der Ifo-Niederlassung in Dresden, Marcel Thum. Mit Libra könnten sich Bürger dieser Form der finanziellen Repression entziehen.

Weniger Kursschwankungen als bei Bitcoin

Facebook hatte im Juni bekanntgegeben, Libra in der ersten Hälfte 2020 herauszubringen. Die Kryptowährung soll es allen Nutzern des Netzwerks ermöglichen, untereinander Geld zu versenden und Waren von Unternehmen zu erwerben. Im Unterschied zu Bitcoin soll Libra an einen Korb von mehreren Finanzinstrumenten geknüpft sein, darunter Staatsanleihen und Bankeinlagen. Damit sollen Wertschwankungen wie bei Bitcoin vermieden werden.

Das digitale Geld wird von Unternehmen wie Mastercard, Paypal und Spotify unterstützt. Wegen der potenziellen Zahl der Nutzer – bei Facebook sind etwa 2,4 Milliarden Menschen registriert – könnte Libra im internationalen Geldsystem langfristig eine wichtige Rolle spielen. (red, APA, 12.9.2019)