NSA-Aufdecker Edward Snowden.

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Edward Snowden würde weiterhin auf Asyl in Deutschland hoffen. Das sagt der ehemalige NSA-Mittarbeiter, der zuvor unbekannte Überwachung durch den Geheimdienst und den britischen GCHQ mithilfe von Medien öffentlich machte, der "Welt".

Snowden ist 2013 über Hongkong aus den USA geflüchtet und wollte ursprünglich nach Ecuador, jedoch wurde ihm sein Reisepass entzogen, weswegen er letztlich in Moskau landete. Dort lebt er bis heute, sein Asylstatus gilt bis 2020. Snowden zufolge wäre politisches Asyl in Deutschland kein "feindlicher Akt" aus Sicht der Vereinigten Staaten mehr.

Untätigkeit

Der NSA-Enthüller wirft Deutschland und Frankreich Untätigkeit vor: Er sitze auch aufgrund ihres fehlenden Handelns in Moskau fest. Europäische Regierungen hätten Angst vor ihm. Seine Autobiografie "Permanent Record: Meine Geschichte" steht kurz vor dem Erscheinen, weswegen er einigen Medien Interviews gibt.

Snowden hat vor einem neuen Aufstieg des Autoritarismus gewarnt. "Verbunden mit immer neuen Überwachungsmethoden ist das eine gefährliche Entwicklung", sagte Snowden der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenendausgabe).

"Wir sehen ja derzeit in Hongkong, wie leicht ein Überwachungsapparat genutzt werden kann, um demokratische Proteste zu ersticken", sagte der für seine Enthüllungen über die Überwachungsmethoden der US-Geheimdienste bekannte Informant.

Aufstieg von Politikern wie Trump

Im Nachrichtenmagazin "Spiegel" warnte der 36-Jährige davor, den Aufstieg von Politikern wie US-Präsident Donald Trump und Großbritanniens Regierungschef Boris Johnson oder die Wahlerfolge der AfD nur als vorübergehende Abweichung von der politischen Norm zu betrachten. "Überall haben Politiker und Unternehmer verstanden, dass sie Technologien nutzen können, um die Welt auf einem neuen Level beeinflussen zu können", sagte er.

Snowden hält auch die technischen Entwicklungen im Netz für eine Gefahr für jeden Einzelnen. "In einer Welt der totalen Überwachung, in der jeder Gesetzesverstoß ausnahmslos geahndet wird, wären alle Menschen Kriminelle", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Ende der Datensammlung

Er forderte ein Ende der "massenhaften Datensammlung". Das gelte nicht nur für Geheimdienste, sondern auch für Konzerne wie Facebook und Google. In einem ersten Schritt gelte es, etwa für jeden Smartphone-Nutzer "sichtbar zu machen, wie sehr wir auf Schritt und Tritt verfolgt werden", sagte Snowden dem "Spiegel". "Und wenn niemand sonst eine Alternative entwickelt, dann werde ich das verdammt noch mal selbst tun."

US-Medien konnten die Biografie schon vorab lesen und kommentieren. Sie gebe vor allem private Informationen frei, heißt es. Der 36-Jährige stammt aus einer Militär- und Geheimdienstfamilie. Bereits im Alter von sechs Jahren habe er erstmals die Uhrzeit "gehackt" – um länger wach bleiben zu dürfen, verrückte er die Zeiger auf allen Uhren im Haus (mehr dazu hier).

Snowden hat zudem, wie er der "Süddeutschen" erzählt, die beim US-Geheimdienst NSA kopierten Daten unter den Aufklebern von Zauberwürfeln, in Socken oder in seiner Backe aus dem Gebäude geschmuggelt. Der 36-Jährige veröffentlicht in wenigen Tagen seine Memoiren. (red, 14.9.2019)