Nantes – Für eine ihrer ersten großen Kundgebungen nach dem Sommer haben sich die Gelbwesten am Samstag die Straßen von Nantes ausgesucht. Jene Stadt im Nordwesten Frankreichs, in der Ende Juni ein junger Mann, Steve Maia Caniço, nach einem umstrittenen Polizeieinsatz bei der Fête de la Musique verschwand – bevor man später seine Leiche entdeckte.

"Die Polizei verstümmelt, die Polizei mordet", sangen die Demonstranten. Um knapp ein Jahr nach ihrem Debüt wieder Schwung in ihre Bewegung zu bringen, richteten die Gelbwesten ihre Parolen gegen die lokale Polizei, schrieb "Le Monde". Mit Schildern wie "Gerechtigkeit für Steve" zogen die laut Polizei rund 1.800 Protestierenden durch die Innenstadt. Dann kam es zu Zusammenstößen.

Anhänger des Schwarzen Blocks hätten am Samstagnachmittag Fensterscheiben zerschlagen, hieß es von der Polizei. Daraufhin hätten Einsatzkräfte Tränengas eingesetzt. Die Polizei hat laut eigenen Angaben 35 Menschen festgenommen. Bei verschiedenen Kontrollen habe man im Tagesverlauf Wurfgeschoße, Feuerlöscher und Pyrotechnik entdeckt.

Ein Molotowcocktail explodiert vor den Füßen eine Polizisten in Nantes.
Foto: Reuters/STEPHANE MAHE

Proteste gegen Polizeigewalt

Bei dem umstritten Polizeieinsatz Ende Juni waren mehrere Menschen in den Loire-Fluss gestürzt. Dann wurde die Leiche des 24-jährigen Steve gefunden. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner geriet unter Druck, der Fall ist in Frankreich ein Politikum.

Es ist das 44. Wochenende, an dem die Bewegung in Frankreich protestiert. Auch in anderen Städten wie Toulouse, Nancy, Lyon und Paris demonstrierten am Samstag Hunderte Gelbwesten. Viele von ihnen forderten "Gerechtigkeit für Steve". Dem Aufruf folgten sehr viel weniger Menschen als zum Höhepunkt der Bewegung: Vor einem dreiviertel Jahr hatten hunderttausende Franzosen demonstriert. Bereits vergangene Woche waren in verschiedenen französischen Städten "Gelbwesten" auf die Straße gegangen. In Paris waren dabei laut Polizei 89 Menschen vorläufig festgenommen worden.

Die Polizei setzte in Nantes Wasserwerfer ein.
Foto: APA/AFP/SEBASTIEN SALOM-GOMIS

Die Gelbwesten protestieren seit vergangenen November gegen die französische Regierung und soziale Ungerechtigkeit. Die Bewegung ist zersplittert und nicht zentral organisiert, die Themenpalette mittlerweile sehr breit. Häufig tragen die Demonstranten auch gar nicht mehr einheitlich die gelben Warnwesten, nach denen die Bewegung benannt ist – dieses Mal in Nantes zum Beispiel hatten viele von ihnen keine an. (red, APA, AFP, 14.9.2019)