Der Sarg eines der mehr als 260 Opfer des Bootsunglücks im Oktober 2013 wird auf ein Schiff der italienischen Navy im Hafen von Lampedusa geladen.

Foto: AP/ Mauro Buccarello

Rom – Eine Richterin in Rom hat am Montag die Eröffnung eines Prozesses gegen zwei hochrangige italienische Offiziere, einer von der Marine, der andere von der Küstenwache, in Zusammenhang mit dem Untergang eines Flüchtlingsschiffes im Oktober 2013 beschlossen. Bei dem Unglück waren über 260 Menschen ums Leben gekommen. Der Prozess beginnt am 3. Dezember.

Vor Gericht müssen sich der Chef der operativen Zentrale der italienischen Küstenwache und jener der Marine in Rom verantworten. Ihnen wird Fahrlässigkeit vorgeworfen, sie sollen zu spät Hilfe angefordert haben. Die Bilanz des Flüchtlingsunglücks ist dramatisch. 26 Leichen wurden damals geborgen, 240 Migranten werden seither vermisst, darunter sind auch circa 60 Kinder. Nur 212 Migranten konnten sich retten.

Rettungseinsatz zu spät angeordnet

Das Boot mit mehr als 450 Passagieren war in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2013 von einem libyschen Schnellboot verfolgt und beschossen worden und dadurch in Seenot geraten. Recherchen des italienische Enthüllungsjournalisten Fabrizio Gatti und des Monitoring-Projekts Watch the Med zufolge setzten die Passagiere am Vormittag des 11. Oktober Notrufe per Satellitentelefon ab. Eine Überprüfung der Notwarnsysteme durch Watch the Med ergab, dass die sich in der Umgebung befindlichen Schiffe informiert wurden, der Rettungseinsatz durch das nur wenige Seemeilen entfernte italienische Marineschiff Libra aber erst um 17.14 Uhr angeordnet wurde, viereinhalb Stunden nach dem von Rom bestätigten und eingegangenen Notruf um 12.26 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war das Flüchtlingsboot bereits gesunken.

Im Oktober 2017 hatte Gatti ein Dokumentarvideo mit Vorwürfen gegen die Offiziere und die Küstenwache veröffentlicht. Daraufhin leitete die römische Staatsanwaltschaft eine Untersuchung ein. (red, APA, 16.9.2019)