Der afghanische Präsident Ashraf Ghani war Ziel eines Attentats.

Foto: Reuters/OMAR SOBHANI

Kabul – In Afghanistan sind Behördenvertretern zufolge bei zwei Anschlägen mindestens 50 Menschen getötet worden. Dutzende weitere wurden bei den Explosionen in der Hauptstadt Kabul sowie der Provinz Parwan verletzt, teilten die Behörden am Dienstag mit. Die radikalislamischen Taliban reklamierten die Taten für sich. Ziel seien afghanische Sicherheitskräfte gewesen.

Allein 26 Menschen starben bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe einer Wahlkampfveranstaltung mit Präsident Ashraf Ghani in der Provinzhauptstadt Charikar nördlich von Kabul. Ghani sei aber unversehrt, sagte ein Sprecher. Die meisten Opfer seien wohl Zivilisten, darunter Frauen und Kinder.

Sicherheitsmaßnahmen verschärft

Ghani sollte bei der Wahlkampfveranstaltung auftreten, als der Angriff durch einen Selbstmordattentäter erfolgte. Ghani stellt sich am 28. September zur Wiederwahl für eine zweite fünfjährige Amtszeit. Die Taliban hatten angekündigt, den Widerstand gegen die afghanischen und die ausländischen Streitkräfte zu intensivieren, um die Menschen von der Präsidentschaftswahl abzuhalten. Nach den Drohungen wurden bei Kundgebungen im ganzen Land die Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Bei einer weiteren Explosion im Zentrum Kabuls starben nach Polizeiangaben mindestens 22 Menschen. Noch werde untersucht, ob es sich ebenfalls um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe oder ob mit einem Magneten eine Bombe an einem Motorrad angebracht worden sei.

Vergangene Woche waren Friedensgespräche der USA mit Vertretern der Taliban gescheitert. Im Gegenzug für den Abzug tausender US-Soldaten aus dem zentralasiatischen Land hatten die USA Garantien verlangt, dass Afghanistan nicht als Basis für Anschläge auf die USA und deren Verbündete diene.

Taliban rufen zu Wahlboykott auf

Die Präsidentenwahl ist für den 28. September angesetzt. Der erste Tag des Wahlkampfs war Ende Juli von einem schweren Anschlag überschattet worden. Bei einem Autobombenangriff auf das Büro des Vizepräsidentschaftskandidaten Amrullah Saleh in der Hauptstadt Kabul wurden mehr als 20 Menschen getötet. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage ist zudem die Durchführung der Wahl in vielen Gebieten gefährdet.

Die Taliban lehnen Wahlen ab, in der Vergangenheit haben sie immer wieder Wahlveranstaltungen und Wahllokale angegriffen. Der erste Tag der Parlamentswahl im Oktober des Vorjahrs war nach Angaben der UN-Mission in Afghanistan (Unama) der Tag mit der höchsten Zahl an zivilen Opfern im Jahr 2018. (red, APA, dpa, AFP, Reuters, 17.9.2019)