6.404 Quadratkilometer des Amazonas-Regenwaldes wurden bereits durch Brände zerstört, von denen manche mutwillig gelegt wurden.

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São Paulo – Die Brandrodung des Amazonas-Regenwaldes wird von "mafiösen Netzwerken" betrieben, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Wer sich ihnen in den Weg stellt, werde immer öfter eingeschüchtert, attackiert oder sogar ermordet. In dem 165-seitigen Bericht mit dem Titel "Rainforest Mafias: How Violence and Impunity Fuel Deforestation in the Brazili's Amazon" dokumentiert HRW nicht nur, dass die Attacken auf Umweltaktivisten steigen, sondern auch, dass die brasilianischen Behörden diese nur selten verfolgen. Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro wirft HRW vor, die Situation sogar noch zu verschlimmern.

In dem Bericht dokumentierte HRW 28 Tötungen, vier Tötungsversuche und über 40 Fälle von Morddrohungen, bei denen es Hinweise gebe, dass die Verantwortlichen an illegalen Rodungen beteiligt waren und die Opfer sich ihnen in den Weg stellten. Die meisten der Fälle ereigneten sich innerhalb der letzten fünf Jahre. Einige der Opfer waren Umweltschützer, die meisten waren Mitglieder indigener Gemeinschaften oder andere Bewohner des Regenwaldes, die illegale Rodungen den Behörden gemeldet hatten.

Untätigkeit von Behörden und Regierung

Sowohl den brasilianischen Behörden als auch der Regierung von Präsident Bolsonaro wirft wirft HRW in Bezug auf die Gewalttaten Untätigkeit vor. Die Verantwortlichen würden nur selten zur Rechenschaft gezogen. Von den 28 Tötungen, die HRW dokumentiert hat, wurde in nur zwei Fällen Anklage erhoben – und keiner der Fälle wurde im Nachhinein aufgeklärt, heißt es in dem Bericht. Oft würde die lokale Polizei gar nicht oder nur unzureichend ermitteln. Ein Problem sei auch, dass Drohungen gegen Umweltaktivisten von der Polizei oft gar nicht nachgegangen würde. In mindestens 19 von 28 dokumentierten Tötungen gingen den Angriffen Drohungen voraus. Hätten die Behörden ermittelt, hätten die Tötungen möglicherweise verhindert werden können.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat wenig Interesse am Thema Umweltschutz.
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"Die Situation wird unter Präsident Bolsonaro nur noch schlimmer. Sein Angriff auf die Umweltbehörden des Landes bringt den Regenwald und die dort lebenden Menschen in noch größere Gefahr", sagt Daniel Wilkinson von HRW. Bereits im Wahlkampf hat Bolsonaro klargemacht, dass er im Amazonas-Becken Platz schaffen will für Weide- und Ackerland, Autobahnen und Wasserkraftwerke. Umweltschutz sei etwas "für Leute, die Grünzeug essen". Diese öffentliche Haltung fungiere für Brandstifter als Legitimationsgrundlage, so HRW. Die Regierung müsse die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft wiederherstellen, um Ureinwohner und Umweltaktivisten zu schützen.

Von Jänner bis Ende August registrierte das Weltrauminstitut INPE fast 89.000 Feuer, mehr als die Hälfte davon im Amazonas-Becken, die höchste Zahl seit 2010. 6.404 Quadratkilometer Wald wurden bereits zerstört. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 3.367 Quadratkilometer. (jop, 17.9.2019)