Salzburg steht auf für Erling Haaland.

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"Dieser Abend geht in die Historie ein, darüber werden wir noch in ein paar Jahren sprechen", sagte Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund. So dominant ist noch kein österreichischer Fußballverein in der Champions League aufgetreten wie Salzburg beim 6:2-Sieg gegen Genk. Nach zuvor elf gescheiterten Anläufen erzielten die Bullen im ersten Gruppenspiel gleich fünf Tore in der ersten Halbzeit, das ist bisher überhaupt erst sieben Teams gelungen. Die Tor-Gala ist der vorläufige Kulminationspunkt in der Erfolgsära von Red Bull Salzburg, krönt einen Weg, der konsequent fortgesetzt wurde trotz Kritik.

Es war im Juli 2012, unmittelbar vor dem Debakel in der Champions-League-Quali gegen Düdelingen, als der damalige Sportchef Ralf Rangnick erklärte, "dass wir dazu da sind, die Zukunft zu gestalten. Unsere Akademie schreit danach, dass die bestmöglichen Spieler von den bestmöglichen Trainern mit den bestmöglichen Trainingsmethoden entwickelt werden." Nur wenige Jahre später hat Salzburg ein Heer an Talenten an europäische Topklubs verkauft: Sadio Mane, Naby Keita, Martin Hinteregger, Konrad Laimer, Valentino Lazaro, Hannes Wolf, Amadou Haidara, Xaver Schlager, Stefan Lainer, die Liste lässt sich fortsetzen.

Klares Konzept

Mittlerweile hat die Fußball-Philosophie der Salzburger, sieben Jahre nach Rangnicks Startschuss, in Fachkreisen große Anerkennung bekommen. Es gibt ein klares Konzept– von der Transferpolitik über die Talenteförderung bis zum auffallenden Spielstil.

Der Fußball, den Red Bull praktiziert, ist hinlänglich bekannt. Mit Angriffspressing wird sowohl bei Salzburg als auch bei Leipzig der Gegner hoch attackiert. 70 bis 80 Prozent der Trainingseinheiten werden damit verbracht, im Kollektiv Laufwege zur Balleroberung in der gegnerischen Hälfte einzustudieren. Das, vor allem ohne Ball, laufintensive Spiel setzten die Salzburger gegen Genk wieder einmal perfekt um.

Jesse Marsch war die Genugtuung nach der Gala gegen Genk anzusehen. Ja, der 45-jährige hat es geschafft, Marco Rose als Cheftrainer zu ersetzen und er sorgt dafür, dass die Spieler hungrig bleiben. "Die Mannschaft hat unheimliches Potenzial und kann noch besser spielen" sagte der Salzburg Trainer. Das klingt fast wie eine Drohung. Die Abwehr bleibt Sorgenkind, vor allem die Abstimmungsprobleme in der Innenverteidigung zwischen Ramalho und Wöber waren augenscheinlich. "In ein paar Momenten trafen wir die falsche Entscheidung, waren nicht kompakt. Es stand zwar 5:2, aber wenn es dann 5:3 steht, wird es plötzlich wieder eng."

Das Positive im Umbruch

Marsch lobt den Brasilianer Ramalho aber explizit neben Andreas Ulmer, dem verletzten Tormann Alexander Walke und Christoph Freund. Sie alle sind bereits lange mit dem Klub verbunden, alle vier mussten auf dem steinigen Weg in die Champions League viele Rückschläge hinnehmen, haben aber nie das Handtuch geworfen und Salzburg verlassen. "Sie haben ein Fundament hier aufgebaut und auf diesen Moment sehr lange gewartet."

Sportdirektor Christoph Freund übernahm 2015 das Amt von Ralf Rangnick und musste sich viel Kritik gefallen lassen, vor allem nach dem Ausverkauf der halben Mannschaft im Sommer. Salzburg wurde wegen seiner jungen Talente mancherorts gar als Kindermannschaft bezeichnet, Freund sah das Positive im Umbruch. "Veränderung ist immer auch eine neue Chance. Ich sage sogar, dass es gesund war, im Sommer die Wechsel einzelner Spieler vorzunehmen. Du kannst sie nicht anketten, und wenn du ein paar Spieler dabei hast, die sich nicht mehr zu hundert Prozent beim Verein sehen, ist es nicht so, wie es sein sollte."

Für Ausnahme-Talente wie den Norweger Erling Haaland oder den Ungarn Dominik Szoboszlai ist Salzburg der nächste Schritt in steilen Karrieren, sie schlugen Angebote prominenterer Vereine zunächst aus. Und lassen Salzburg schon vom Aufstieg ins Achtelfinale träumen. Zlatko Junuzovic freut sich, dass er endlich Champions League spielen kann: "Besser hätten wir es uns nicht erträumen können. Wir müssen aber schon realistisch bleiben, so wird es nicht jedes Spiel laufen." (Florian Vetter, 18.9.2019)