Prominentes Ziel vieler Twitter-Attacken: Greta Thunberg.

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Von 21. bis 23. September tagen in New York wieder Forscher und Vertreter der Vereinten Nationen beim jährlichen Klimagipfel. Ziel der Versammlung ist, die Umsetzung der 2015 in Paris beschlossenen Klimaziele zu beschleunigen. Vor der internationalen Gemeinschaft wird auch Greta Thunberg auftreten. Die 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden hat die Fahrt nach New York schon zuvor per Boot bewältigt.

Im Vorfeld des Gipfels tauchen nun Auffälligkeiten in sozialen Medien auf. So etwa während einer mehrstündigen Klimadebatte unter US-Präsidentschaftsbewerbern auf CNN. Sie machte "Climate Change" zu einem Trendthema auf Twitter, womit es sogar den Dauerbrenner "President Trump" temporär ablöste. Gleichzeitig erklären Wissenschafter, Aktivisten und Politiker, einem neuen Schwall an Online-Attacken ausgesetzt zu sein, berichtet "Inside Climate News".

Nicht ganz klar ist, ob diese Aktivität spontan entstanden ist oder einer koordinierten Kampagne entspringt. Experten schätzen, dass möglicherweise eine kleine Zahl reichweitenstarker Accounts ihre Follower in Bewegung setzt. Klimaforscher Michael Mann von der Pennsylvania State University, der es selbst immer wieder mit Hasspostings zu tun bekommt, geht von konzertierten Angriffen von staatlicher Seite und der Erdölbranche aus.

"Sehr wahrscheinlich" konzertierte Attacken

Bei Bot Sentinel, wo man sich auf die Beobachtung automatisierter Meinungsmache spezialisiert hat, sieht man bei der unüblich hohen Aktivität unter den Accounts, die man aufgrund ihrer sich wiederholenden Verhaltensmuster, etwa durch die Retweets von Propaganda oder Attacken gegen andere Nutzer, als "Trollbots" einstuft zumindest ein gewisses Maß an Koordination. Es handle sich "sehr wahrscheinlich" um Accounts im Dienst einer Agenda.

Mitunter reichten fünf oder zehn Nutzer aus, um einen Hashtag zu manipulieren, einfach nur, weil sie sehr viele Follower haben. Im konkreten Fall teilten sie etwa massenhaft einen Zusammenschnitt der TV-Debatte, die von Trumps Wiederwahlkampagne und dem rechten Medium "Gateway Pundit" zusammengeschnitten worden war, um den "demokratischen Klimakult" zu diffamieren.

Ähnliches war bereits im August zu beobachten, als Thunberg ihre zweiwöchige Seereise angetreten hatte. Neben automatisierten Attacken setzten teilweise auch prominente Gesichter an sie gerichtete Hasspostings ab. "Auch im August geschehen seltsame Bootsunfälle", schrieb etwa Aroon Banks, Mitgründer der britischen Pro-Brexit-Kampagne "Leave.eu".

Mehr Bewachung für kanadische Umweltministerin

Auch Entscheidungen und Aussagen aus der Politik triggern die Trollbots. Die kanadische Umweltministerin Catherina McKenna, die für die Implementierung einer CO2-Steuer verantwortlich ist, wird nun unter einer höheren Sicherheitsstufe bewacht, da sie sowohl online, als auch persönlich Drohungen erhalten hatte.

Laut einem Bericht der kanadischen Regierung gab es auch bei den Wahlen im vergangenen April im Bundesstaat Alberta konzertierte Social-Media-Kampagnen. Die lokale CO2-Steuer war dabei eines der prägendsten Themen des Wahlgangs. Die Wahl gewann schließlich der Konservative Jason Kenney, der die CO2-Steuer im Mai abgeschafft hat.

"Jagdsaison"

Laut Bot Sentinel hat Twitter es zudem erschwert, Klimaleugner vom eigenen Twitter-Feed fernzuhalten. Die Plattform hatte eine Funktion, mit der User über ein Import-Tool automatisch Trollbots blocken lassen konnten. Doch die Plattform legte das Werkzeug plötzlich und ohne Ankündigung still.

"Es gibt jeden Tag koordinierte Kampagnen", sagt Bot-Sentinel-Gründer Christopher Bouzy. "Auf diesen Plattformen herrscht mehr oder weniger Jagdsaison." Man solle jedenfalls Vorsicht walten lassen, wenn man Klimadebatten im Netz folge. (red, 18.9.2019)