Beim Aufräumen könnte die Deutsche Bank weitere Derivate bündeln und versuchen, die Pakete über ihre Bad Bank zu veräußern

Foto: Reuters / Simon Dawson

New York/Frankfurt – Die Deutsche Bank könnte Insidern zufolge Milliarden an weiteren problematischen Positionen in ihre Bad Bank verschieben, falls sie Papiere daraus verkaufen kann. Diese Möglichkeit werde derzeit im Top-Management der Bank diskutiert, um Abschreibungen zu minimieren, sagten drei mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Diskussionen seien in einem frühen Stadium, noch sei nichts konkret geplant. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, es gebe keine Pläne, weitere Bilanzpositionen in die Bad Bank zu schieben.

Rennen um Ramsch

Die Deutsche Bank hatte Anfang Juli neben dem Abbau von weltweit 18.000 Stellen die Schaffung einer Bad Bank angekündigt. Die Bank will sich schnell von den dort geparkten Bilanzpositionen trennen. Von den zuletzt 250 Milliarden Euro in der Bad Bank sollen Ende 2022 nur noch neun Milliarden übrig sein.

Zu den Interessenten für die Derivate zählt laut Insidern die französische Großbank BNP Paribas. Das Pariser Institut hoffe, Konkurrenten ausstechen und einen Deal erzielen zu können, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Interesse am Portfolio wird auch Banken, Beteiligungsgesellschaften und Hedgefonds nachgesagt. Statt als Ganzes könnte es auch in Tranchen verkauft werden.

Interne Bad Bank

Ende Juli hatte die einstige deutsche Vorzeigebank angekündigt, ein Fünftel der gesamten Bilanzrisiken – also Derivate und andere riskantere Wertpapiere im Wert von 74 Milliarden Euro – in einer internen "Bad Bank" zu bündeln. Diesen Titel verzehrten viel Kapital und sollten deshalb wertschonend abgebaut werden. Insidern zufolge wären die Erträge der jährlich um 500 Millionen Euro höher gewesen, hätte sie das so gebundene Kapital anders eingesetzt.

Gerechnet wurde mit hohen Verlusten. Sie habe dafür mehr als eine Milliarde Euro zur Seite gelegt, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Von den 288 Milliarden Euro an Bilanzpositionen, die ursprünglich in der Einheit landen sollten, waren noch im Juli 38 Milliarden Euro abgebaut worden. Kurzlaufende Derivate sollten mithilfe einer Auktion verkauft werden, danach kämen länger laufende Derivate an die Reihe. Finanzexperten gingen davon aus, dass der ambitionierte Plan bis 2022 nur zu schaffen wäre, wenn das Geldhaus bereit wäre, die Risikopositionen mit hohen Abschlägen loszuschlagen. (Reuters, red, 19.9.2019)